Karl Jaspers: „Menschsein ist Menschwerden“

Veröffentlicht: 27. November 2011 von lysosom1995 in Allgemein, Freiheit

Menschsein ist Menschwerden“

Karl Jaspers Ansicht von Freiheit ist der von Sartre ähnlich. Bei ihm ist auch der Mensch selbst verantwortlich, ob er Freiheit erlangt oder nicht. Somit hat jeder Mensch sein Streben nach der Freiheit selbst in der Hand und „formt“ sich im Laufe seines Lebens zu dem, was er sein wird. Diese Ansicht steht daher im Gegensatz zu Hobbes oder Freuds Theorie von Menschen und deren Freiheit. Denn bei ihnen ist durch Gott schon alles vorbestimmt, dass heißt der Mensch kann sich nicht zu dem machen wie er sich entwickelt, sondern wird zu dem wie es schon vorbestimmt wurde.

Jasper stellte für seine Ansicht eine Art Formel auf, die eine Aussage zu seiner Definition von Menschen und deren Freiheit treffen soll: „Menschsein ist Menschwerden“ Damit will Jasper verdeutlichen, dass der Mensch die Eigenschaften die ihn ausmachen, im Laufe seiner Entwicklung erfahren wird und daher das wahre Bild des Menschen erkennen kann. Dafür bräuchte man nach seiner Ansicht keine Wissenschaft, denn diese (so Jaspers) könne nur einiges an Wissen über den Menschen herausfinden aber nie alles über ihn. Es genügt also nach Jaspers Ansicht, dass man durch Selbstfindung und Selbsterkenntnis den Menschen für sich definieren kann und die Wissenschaft nie das wahre Bild des Menschen herausfinden würde. Um diese These noch zu stärken kam er zu dem Entschluss, dass der Mensch mehr ist als wir denken oder man von ihm wissen kann.

Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.“ – Albert Camus

Ich nahm dieses Zitat, da es sehr zu der Freiheitsdefinition von Jaspers passt. In der Definition von Jaspers wird die Freiheit dem Menschen erst bewusst, wenn er die Ansprüche, die an ihn gestellt werden erkennt. Er kann diese Ansprüche oder Pflichten dann erfüllen oder nicht. Dies bleibt daher jedem Menschen offen. Wenn er die Pflichten erfüllt, so bestimmt der Mensch für sich dass er frei ist. Das heißt er kann nur frei sein, wenn er die Pflichten und Ansprüche erfüllt. Dies ist auch die Aussage des Zitates von Albert Camus, da in ihm nicht Privilegien, sondern Pflichten bestimmen ob man Freiheit besitzt. In Jaspers Text „Menschsein ist Menschwerden“ ist noch herauszunehmen, dass wenn man sich den Pflichten entzieht auch keine Forderungen an andere stellen kann, da man ja seine nicht erfüllt hat. Als Beispiel wird ein Gerichtsverfahren genannt. Dabei begründet der Angeklagte seine Unschuld damit, dass er meint er sei so geboren und könne nichts für seine Tat. Er entzieht sich daher seiner Verantwortung für die Tat die er begangen hat und fordert auch indirekt, dass er freigesprochen wird. Der Richter hingegen meint darauf, dass er ihn verurteilen muss und es notwendig ist, da er nach Gesetzen handeln muss. Das zeigt, das der Angeklagte keine Forderungen an den Richter stellen kann, da er nicht zu seiner Tat steht und der Richter ihn nicht privilegieren kann. So ist man wieder bei dem Zitat von Albert Camus, welches die gleiche Botschaft hat.

Fortlaufend in seinem Text schreibt Jasper, dass sich ein zweiter Schritt von alleine tut, wenn man seiner Freiheit bewusst ist. Wenn dem Menschen also bewusst ist, dass er Freiheit besitzt, so wird der zweite Schritt eingeleitet. In diesem Schritt geht es um die Verbundenheit zu Gott. Der Mensch ist nach Jaspers Ansicht ein gottbezogenes Wesen und schuf sich daher nicht selber, sondern wurde von Gott geschaffen. Dies ist eine Einschränkung zu Sartres Theorie, denn bei ihm wurde der Mensch nicht von Gott geschaffen. Daher bezeichne ich die Theorie von Jaspers als eine Mischung von Sartres Theorie und der gottbezogenen Theorie. Durch diesen Schritt kann der Mensch bei Jaspers frei Handeln und ist auch erfüllt vom Sinn des Lebens. Diese zwei Dinge sind sehr wichtig um die Freiheit nicht zu erzwingen.

„Frei ist man erst, wenn man sich vom Streben nach Freiheit frei macht“ – Alexander Saheb

 Wenn man die Freiheit nicht erzwingt, desto mehr Freiheit besitzt man wiederum. Dass ist auch die Botschaft die das Zitat von ALexander Saheb vermitteln möchte. Dieses Zitat basiert daher auf Jaspers Freiheitstheorie und macht dessen Aussage in einem Satz deutlich. Als Resultat ergibt sich dann eine starke Verbundenheit mit Gott, die nicht naturgegeben ist, sondern mit der eigenen Freiheit in Verbindung steht, da man sich durch das „Freisein“ erst zu Gott nähert. Abschließend lässt sich sagen, dass Jaspers Ansicht gut nachvollziehbar ist, aber auch Fragen aufkommen lässt. Wenn man seiner Freiheit bewusst ist und sie auch hat, so bekommt man eine nähere Verbundenheit mit Gott. Jetzt frage ich mich aber, wenn ich nicht an Gott glaube und ich mich nicht mit Gott verbunden fühle, habe ich dann gar keine Freiheit? Denn nach Jaspers Ansicht müsste ich diese dann nicht unbedingt haben.

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Kommentare
  1. sandrairena sagt:

    Dein Text „Menschsein ist Menschwerden“ ist dir echt gelungen.
    Mit dem Zitat von Albert Camus stimmte ich nach dem ersten Lesen nicht zu. Ich stellte mir die Frage, wie man frei sein kann, wenn die Freiheit aus Pflichten besteht. Nachdem ich den Text noch einmal las, wurde mir klar, das er Recht hat. Denn nimmt man seine Pflichten nicht wahr, ist man nicht frei, anderen Ansprüche zu erteilen, da man sonst nur nehmen, aber nicht geben würde. Hast du das so gemeint?
    Das Zitat von Alexander Saheb erkläre ich mir so, dass wenn man sich die Freiheit erzwingt, sich nur selbst einschränkt, mit diesem Ziel frei zu sein.
    Deine Frage, ob du frei bist, auch wenn du nicht an Gott glaubst, beantworte ich mit „ja“. Denn wenn man an Gott glaubt, hat man eine Vorraussetzung, Gott zu folgen. Somit ist man an Gott gebunden und ist durch diese Verbundenheit nicht mehr vollkommen frei. Du schreibst, dass du dich deiner Freiheit bewusst bist. Also nimmst du deine Pflichten wahr und nimmst nicht nur von anderen, sondern gibst auch immer wieder gerne, oder? Somit akzeptierst du die anderen Menschen um dich herum, deshalb würde ich dir folgendes Zitat mitgeben:
    „Meine Freiheit endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt“ (angenommen von Dr. Rudolf Steiner). Wenn du dich somit an die Freiheit des anderen hälst und dich selbst auch frei fühlst, bist du frei!

  2. lysosom1995 sagt:

    Hallo! Danke für deine Kritik an meinem Beitrag. Das Zitat von Camus nahm ich als Verdeutlichung für das Beispiel mit dem Angeklagten und dem Richter. Als erstes verstand ich das Zitat genauso wie du und fragte mich genauso ob es Sinn macht sich nach den Pflichten zu richten, da man dadurch ja dann auch eingeschränkt ist. Dennoch macht es Sinn, da man wenn man seine Pflichten ernst nimmt und sie erfüllt frei ist. Man hat ja dann das privileg Ansprüche an andere zu stellen. Dadurch ist man dann ja „frei“ da man seine Pflichten erfüllt und sich nicht mehr damit „herumschlagen“ muss.
    Ich seh die Verbundenheit mit Gott auch so wie du sie beschrieben hast. Denn wenn ich Gott folge und mich an ihn halte bin ich nicht mehr frei. Man hat doch dadurch viele Einschränkungen und kann nicht mehr frei nach Willen und Ziel handeln. Man passt sich dadurch dann eigentlich nur an die Ziele von Gott oder der Religion an.

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