Gibt es den perfekten Tag?

Veröffentlicht: 11. Dezember 2011 von schmetterling02 in philosophieren

 

(von Frau Schütze)

Gibt es den perfekten Tag?

Ich denke es gibt den perfekten Tag.

Er sieht aber für jeden anders aus. Für mache Menschen ist es vielleicht der perfekte Tag, wenn sie Familie, Freunde oder Bekannte nach langer Zeit wieder sehen und gemeinsam mit ihnen einen schönen Tag verbringen können. Ein anderer Mensch empfindet einen anderen Tag als den Perfekten. Für diesen Menschen ist vielleicht seine Hochzeit der perfekte Tag. Und wieder ein anderer Mensch bezeichnet den Tag, an dem sein Kind geboren wurde als perfekt. All diese Ereignisse hinterlassen bei den Menschen ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit, für sie ist dieser Tag perfekt.

Doch muss der perfekte Tag aus mehr als einem Ereignis bestehen? Reicht es nicht ein wunderschönes Ereignis zu erleben, um den Tag als perfekt bezeichnen zu können? Ich denke schon, dass ein Ereignis ausreicht, um den Tag „perfekt“ zu nennen. Wichtig ist doch nicht, wie viele Ereignisse man an einem Tag erlebt, sondern, dass man sich über das Eine wirklich freuen kann, dass man glücklich und zufrieden mit sich, seinen Mitmenschen und seinem Leben ist. Natürlich kann es auch Tage geben an denen ein großartiges Geschehen das nächste jagt. Doch der perfekte Tag kann auch ein Tag sein, den andere Menschen niemals als perfekt ansehen würden, weil es vielleicht ein ganz unspektakuläres Erlebnis ist, dass einen Menschen aber tief berührt und glücklich gemacht hat. Für diesen Menschen ist dieser Tag perfekt. Ob ein Mensch einen Tag perfekt nennen kann, hängt nicht nur vom erlebten ab, sondern auch von der Lebenssituation des Menschen. Für Menschen, denen es schlecht geht, ist Glück etwas ganz anderes, als für die, die sich keine Sorgen um ihre Existenz machen müssen.

Kann man Momente, die Glück und Zufriedenheit bringen aktiv fördern?

Man kann diese Momente aktiv fördern, indem man seine Einstellungen und Handlungen gegenüber den Mitmenschen und der Natur überdenkt und vielleicht auch ändert. So ist es doch nicht wichtig, wie teuer ein bestimmter Gegenstand war, sondern wie besonders er für einen selbst ist. Es kann also auch ein einfacher Ast sein, der in einer bestimmten Situation für den Betrachter besonders schön ist. Man sollte also offen und liebevoll durch die Welt gehen um solche Situationen erkennen, und sich an ihnen freuen zu können. Oft gehen die Menschen verschlossen und blind für diese besonderen, einzigartigen Situationen durch den Tag. Dabei machen auch diese Momente einen perfekten Tag zu dem was er ist, nämlich „perfekt“. Zusammenfassend kann man also sagen: Diese Momente lassen sich fördern, indem man versucht auch die kleinen, alltäglichen und oft unscheinbaren Dinge des Lebens zu sehen und sich an ihnen zu freuen. Zudem sollte man, meiner Meinung nach, auch liebevoll mit seinen Mitmenschen umgehen, denn dann wird man auch etwas von der Liebe und Zufriedenheit zurückbekommen, die man gegeben hat. Auch diese Momente können einen perfekten Tag ausmachen.

Kann man dadurch die Gesellschaft glücklicher machen?

Ich denke, die Gesellschaft würde automatisch glücklicher werden, wenn jeder Mensch versuchen würde, offener und liebevoller mit seinen Mitmenschen umzugehen und sich auch an den kleinen Dingen des Lebens freuen könnte. Jeder Mensch würde so mehr Liebe und Zufriedenheit erfahren und wäre nicht mehr so darauf bedacht, etwas Besonderes zu tun oder zu sehen, denn für sie ist dann vieles bereits besonders, auch sie selbst.
Auch das Bild am Anfang hat etwas damit zu tun. Die verwendeten Materialien sind einfache Dinge aus der Natur (Kastanien, Filz und Holz). Doch trotz ihrer Einfachheit strahlt das Bild etwas sehr positives aus.
Diese Einfachheit kann auch in den Ereignissen zu finden sein, die einen Tag zu einem „perfekten“ werden lassen. Man muss diese einfachen aber dennoch so schönen und besonderen Dinge nur sehen können! Wenn die Gesellschaft ihren Blick mehr auf diese, scheinbar so einfachen und unscheinbaren Dinge richtet, denke ich, würde sie insgesamt glücklicher sein.

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Kommentare
  1. tachribri sagt:

    Ich finde, das du Recht hast. Es sind nicht unbedingt die großen und teuren Dinge, die glücklich machen. Das sieht man z.B. daran, wenn man den „Glücksstatus“ eines Reichen beim Erwerb einer Zweit-Yacht und den eines frierenden Armen, dem eine Decke geschenkt wird, vergleicht: Natürlich ist der Arme glücklicher. Die Decke ist für uns etwas Kleines, für ihn aber etwas, das ihm möglicherweise das Leben rettet, während der Reiche mit seiner Yacht schon so verwöhnt vom Leben ist, dass er sich gar nicht mehr so richtig darüber freuen kann, weil es schon so „normal“ geworden ist. Ich denke darum auch, dass es für einen Reichen schwieriger ist, glücklich zu werden, weil er schnell die kleinen Dinge vergisst. Uns geht es ja oft auch so: Welche Weihnachtsgeschenke machen uns schon wirklich glücklich? Über kleine, unscheinbare, aber umso aussagekräftigere Dinge kann man sich viel mehr freuen als über große, auffällige, aber nichtssagende.

    • sandrairena sagt:

      Auch ich finde deinen Beitrag sehr gelungen. Ich schließe mich dir an. Der perfekte Tag sieht für jeden anders aus und bedeutet auch für jeden etwas anderes. So kann auch nur ein kurzer Augenblick den Tag perfekt machen. Zum Beispiel eine Sternschnuppe. Vor einiger Zeit, ging ich mit meiner Freundin und unserem Hund spazieren. Die Dämmerung brach schon herein. Und wie wir so den abendlichen Himmel beobachteten, sahen wir auf einmal eine schöne, hell erleuchtende Sternschnuppe. Wir waren sehr glücklich, konnten es kaum glauben und wünschten uns etwas. Mit dieser Freude gingen wir dann nach hause und als wir das Erlebnis weiter erzählten, freuten sich unsere Familienmitglieder mit uns und waren auch froh. Für einen Astrologen, der den Sternenhimmel immer beobachtet, wäre die Sternschnuppe vielleicht etwas alltägliches und er würde sich bestimmt nicht so sehr an dem Augenblick erfreuen, wie Menschen, die so etwas sehr selten sehen.
      Desweiteren denke ich auch, dass einige Menschen immer an das denken, was ihnen noch fehlt, aber nicht an das, was sie schon haben. Somit können sie oft gar nicht glücklich sein und einen perfekten Tag erleben, da sie eben nicht zufrieden sind. Wie du gesagt hast, fördern auch die kleinen, alltäglichen und oft eben auch unscheinbare Dinge des Lebens den perfekten Tag, wenn man sie nur sieht und sich an ihnen erfreut.

  2. schmetterling02 sagt:

    Danke für die gute Kritik.
    Genau das, was du schreibst, habe ich mit meinem Beitrag ausdrücken wollen.
    Dein Erlebnis mit der Sternschnuppe ist wirklich beispielhaft für ein kleines Ereignis, das einen ganzen Tag perfekt werden lässt. Es gibt bestimmt auch Leute, die die Sternschnuppe einfach so hingenommen hätten ohne sich groß darüber Gedanken zu machen, geschweige denn sich darüber zu freuen, so wie du und deine Freundin. Ein anderer Mensch wäre vielleicht auch garnicht auf die Idee gekommen, zum Himmel zu blicken. Genau solche kleinen Erlebnisse lassen einen Tag perfekt werden.
    Auch deinen Satz, in dem du sagst, dass Menschen nicht glücklich sein können, wenn sie sich die ganze Zeit vor Augen halten, was sie alles nicht haben, finde ich sehr gut. Er spiegelt genau das wieder was ich mit meinem Beitrag sagen wollte.

  3. lila03 sagt:

    Ich finde deinen Beitag sehr gut und ich denke dass Menschen wirklich mehr mit offenen Augen durch die Welt gehen sollten um sich an kleinen Dingen zu erfreuen. Ich glaube in unserer Gesellschaft herrscht ein perfektions denken. Man gibt sich nicht mehr zufrieden mit kleinen schönen Dingen, nein, alles muss zu 100% toll sein. Aber leider ist das Leben nicht so, es gibt Höhen und Tiefen. Und die Leute die drauf warten dass ein tag komplett perfekt verläuft, leben nicht frei und werden alt ohne wirklich gelebt zu haben. Ich glaube mir der richtigen Einstellung kann jeden Tag perfekt werden.

    • mitochondriumatp sagt:

      Lieber schmetterling02 ich finde deinen Beitrag auch sehr gelungen.
      Zu lila03: Als ich deinen Satz las, dass mit der richtigen Einstellung jeder Tag perfekt werden könne, wurde ich nachdenklich. Zunächst fragte ich mich: Wie kann ein Tag an dem zum Beispiel eine geliebte Person stirbt perfekt sein? Wie trägt eine richtige Einstellung bei so einem traumatischen Erlebnis zu einem perfekten Tag bei?
      -Ich war kurz überfragt und dachte, dass so ein Tag einfach nicht perfekt sein kann und dass auch keine richtige Einstellung dazu beitragen könne. Solche Erlebnisse stellen Glücksmomente eines Tages in den Schatten. Im ersten Moment denke ich – überwiegen Schmerz, Trauer und Unverständlichkeit.
      Dennoch denke ich persönlich, dass alles im Leben einen Sinn hat und nichts ohne Grund passiert. Zudem gibt es nicht jeden Tag ein Sterbefall im Freundeskreis.
      So stark der Schmerz anfangs sein mag, denke ich auch, dass man mit einer richtigen Einstellung mit bestimmten Situationen im Leben anders umgehen kann. Ich glaube, dass alle Ereignisse und Erfahrungen ein Teil des Lebens sind und man die Möglichkeit zu lernen mit ihnen umzugehen und an ihnen zu „wachsen“. Man sollte sich im Leben nie am schlimmen aufhängen sondern immer positiv denken und nach vorne schauen.

  4. 4blueberrys sagt:

    Bei dem Lesen deines Beitrags habe ich mich unwillkürlich gefragt, was Menschen wohl antworten würden, wenn man sie fragt, „Was war der perfekteste, schönste Tag in deinem Leben?“. Vielleicht würden manche Menschen Antworten geben, wie zum Beispiel „Als ich geheiratet habe“, „Als mein Kind gesund auf die Welt kam“, „als ich nach langer Krankheit doch noch gesund wurde“ und ähnliches. Diese Antworten beschreiben besondere und nicht alltägliche Situationen, und ich fand es sehr interessant, dass du im Gegensatz dazu über Dinge geschreiben hast, die für die meisten Menschen alltäglich seien. Und ich finde, du hast Recht, denn man kann sich auch über alltägliche Dinge freuen. Warum sollten sie nicht auch zu einem „perfekten Tag“ verhelfen können? Man sollte nicht immer gleich das Außergewöhnlichste erwarten und dabei andere wunderbare Dinge übersehen.

  5. tachribri sagt:

    Ich will einen Aspekt dieses Themas nochmal besonders hervorheben, und dazu Aristoteles zitieren: „Was es alles gibt, was ich nicht brauche.“
    Ich denke, dass Aristoteles es genau richtig macht. Er konzentriert sich nicht auf all das, was ihm fehlt, was er nicht besitzt, was Neid oder Habgier in ihm auslösen kann. Sondern er weiß, was er hat (und ich denke, A. war bestimmt nicht besonders reich), und begnügt sich damit, und aus dieser Position heraus kann er über alles andere sagen: ich brauche es nicht. Aber woher weiß er, dass er die anderen Dinge nicht braucht? Ich glaube, er weiß es daher, weil er lebt. Er hat bisher ohne diese Dinge überleben können, also braucht er sie nicht wirklich. Das ist eine Feststellung. Aber es ist auch eine Einstellung: ich lebe ganz gut mit dem, was ich besitze, es gibt andere, denen geht es schlechter. Ich will dankbar sein und nicht immer nach mehr streben. Das macht zufrieden.
    Aristoteles war wirklich klug 🙂

  6. mitochondriumatp sagt:

    Ein passendes Zitat von Charles-Louis de Montesquieu zum Glücklich sein finde ich auch:

    „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“

    Ich glaube was Montesquieu damit sagen will ist, dass wir Menschen viel auf andere schauen. Man sieht sie von außen und denkt sie seien glücklich. Man frägt sich: „Warum sind die glücklich und ich nicht?“
    Dadurch wird man unzufrieden und will glücklicher seien als sie. Das Problem dabei ist, dass man nie genau wissen kann wie glücklich andere Personen sind, da man sich nach außen oft anders gibt als man wirklich ist. Man sieht nicht in das Innere anderen Personen rein und sieht nicht deren Probleme und Sorgen. Man lässt sich von dem äußeren Schein trügen und meint sie seien glücklich.
    Zudem ist kritisch, dass man nicht bei sich selbst bleibt und versucht innerlich aufzuräumen. Man erkennt nicht die eigenen Werte und Fähigkeiten. Durch das permanente Schauen auf die anderen Personen und das Streben noch glücklicher als sie zu sein wird man selbst unglücklich.

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