alltägliches genau betrachten

Veröffentlicht: 2. Januar 2012 von sandrairena in philosophieren

Die Treppe ist ein erfolgreiches Bauwerk in der Architektur. Durch sie kann man Höhenunterschiede mit Stufen ausgleichen. Doch was fühlt man beim Hinunterlaufen einer langen Treppe?

Ein Rentner, der schwer läuft und dem alle Knochen schmerzen, könnte folgendes fühlen: „O Schreck, ist diese Treppe lang, werde ich das schaffen? Komme ich heil hinunter? Ich werde es versuchen, letztes Mal gelang es mir auch und an dem Geländer kann ich mich gut fest halten. Zum Glück ist die Treppe nicht frisch geputzt, sodass ich ausrutschen könnte. Jeder Schritt ist so anstrengend und beschwerlich.Ein Glück, dass die Treppe nicht voll gestellt ist, sonder dass ich genügend Platz habe um zu laufen. Und jetzt kommt die Kurve in der Treppe. Jedes Mal bin ich mir unsicher, da es so dunkel ist und dann muss ich noch auf die Treppen achten. Jetzt sind es nur noch wenige Treppenstufen. Ich werde geschwinde verschnaufen, Jedes Mal ist es für mich so anstrengend. Wenn man doch nur noch einmal so junge Beine wie die Enkelkinder haben könnte… aber ich schaffe das auch. Nur noch 3, 2 und … geschafft. Gott sei Dank, wie glücklich ich bin, dass mir nichts passiert ist. Ich bin erleichtert.“ Während der ältere Rentner ängstlich und beschwerlich die Treppe hinunter läuft, erfährt ein kleines Kind die Treppenstufen ganz anders. So vielleicht: „Nein, heute möchte ich keine Hand, die mir hilft die Treppe runter zu laufen. Ich schaffe das auch ganz alleine. Ihr werdet es sehen. Ich muss nur aufpassen, dass ich mit meinen Socken nicht ausrutschen werde. Also hebe ich mich am allerbesten fest. Am Geländer, das blau ist, meine Lieblingsfarbe. Die ersten Stufen habe ich schon hin bekommen. Jetzt noch einmal so viele Treppen! Aber heute will ich es schaffen, auf jeden Fall. Oh, fast wäre ich ausgerutscht, zum Glück hat das niemand gesehen. Nur noch eine Stufe und geschafft. Ich habe es geschafft die Treppe ganz alleine hinunter zu laufen, zum ersten Mal! Ohne Hilfe und Mama hat es gesehen. Wie sie sich mit mir freut. Das ist einfach ein wunderschönes Gefühl.“ Seit dem Tag an, wird es für das Kind etwas Besonderes sein, die Treppe hinunter zu laufen und jedes Mal wird es wahrscheinlich stolz sein und sagen, dass es die Treppe ganz alleine hinunter gelaufen sei. So lange, bis es für das Kind etwas ganz alltägliches wird und es sich dabei vielleicht auch nicht mehr dabei denkt wie ich zum Beispiel. Wir haben in unserem Haus auch längere Treppen, mit 17,21 und 14 Stufen. Die Treppe mit den 14 Stufen laufe ich am Tag mehrfach hinunter: Gehe ich aus meinem Zimmer, laufe ich den langen Flur entlang. Nach ungefähr zehn Metern erreiche ich die Treppe. Automatisch setzte ich meist meinen rechten Fuß auf die erste Stufe. Wie immer, fasse ich auch mit der linken Hand das Geländer. Danach gehe ich Stufe um Stufe nach unten und meist bin ich mit meinen Gedanken gar nicht bei der Treppe, sondern denke über etwas anderes nach. Deshalb laufe ich auch ganz gewöhnlich um die Kurve. Somit gehört bei mir die Treppe zu meinem Alltag und ich schenke ihr nur geringe Aufmerksamkeit.

Wie ist es bei dir? Wie fühlst du dich, wenn du eine lange Treppe hinunter läufst?

 

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Kommentare
  1. sandrairena sagt:

    Ich habe mir noch überlegt, wie ich mich fühle, wenn ich eine unbekannte lange Treppe hinunter laufe, die ich nicht alltäglich begehe. Da kommen ganz andere Gefühle auf und die Treppe bekommt Aufmerksamkeit, da sie auf eine bestimmte Art besonders, unbekannt und neu ist, eben nicht alltäglich. Man muss sie erst noch erkunden und „kennen lernen“.Es macht dann Spaß, diese Treppe hinunter zu laufen oder sie auch hinunter zu eilen oder mit den Geschwistern wettzueifern, wer zuerst unten angelangt ist. So eine neue Treppe kann also auch ein Zeitvertreib sein.
    Eine lange Treppe kann auch für den Moment, in dem man sie begeht Freiheit bedeuten. Da man gerade von einer Ebene nach unten läuft und man sich gerade dazwischen befindet, einen Moment lang unabhängig ist, sowohl von der Ebene, die man gerade verlässt, als auch von der unteren Ebene, die man ansteuert, aber noch nicht erreicht hat.

  2. lila03 sagt:

    Für mich als kleines Kind waren Treppen auch immer besonderst. Wenn ich zu unserer Wohnung hochgehen wollte musste ich 4 Treppen hochlaufen. Immer abwechselnd sieben Stufen, acht Stufen… Das hat mich damals immer begeistert. Jedes mal wenn ich die Treppen hochgelaufen bin hab ich nochmal nachgezählt damit ich mich das letzte mal ja nicht getäuscht habe. Mit der Zeit sind Treppen für mich lästig geworden, sowohl daheim wie auch in der Schule, wenn man zur ersten Stunde bis in den dritten Stock laufen muss. Aber an manchen Treppen habe ich auch heute noch meinen Spaß! Ich liebe es auf hohe Türme zu steigen. Die unendlich scheinenden Wendeltreppen mit den kleinen Fenstern. Und dann wenn man oben ist kann man über dass ganze Land schauen. Es hat für mich ein Bild der Unendlichkeit, da man selbst soweit oben nicht das Ende der Welt sehen kann.

  3. schmetterling02 sagt:

    Auch ich habe schon so meine Erfahrungen mit Treppen gemacht. Wenn ich in mein Zimmer gehen möchte, muss ich zuerst eine Treppe hoch gehen. Hier geht es mir wie sandrairena, ich bin meist mit meinen Gedanken ganz wo anders und schenke der Treppe keine große Aufmerksamkeit. Andererseits verbinde ich mit ihr auch einige negative Erinnerungen, als ich noch ziemlich klein war bin ich einmal die gesammte Treppe hinuntergefallen.
    Aber ich habe Treppen auch schon als „Spielgerät“ gesehen. Als ich einmal meinen Opa im Krankenhaus besucht habe, bin ich alleine bis in den achten Stock gerannt und habe versucht schneller zu sein als meine Familie die mit dem Aufzug gefahren ist.

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