Altern und Spielen

Veröffentlicht: 6. Juni 2012 von schmetterling02 in Allgemein

„Leute hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen.“

Ist es wirklich so, gibt es einen Zusammenhang zwischen Altern und Spielen? Und überhaupt: welcher Zusammenhang besteht zwischen dem gefühlten Alter und dem tatsächlichen Alter?

Meiner Meinung nach trifft das Zitat zu. Um es zu verstehen ist es allerdings notwendig den Begriff „spielen“ etwas weiter zu fassen als sonst allgemein üblich. Normalerweise denkt man, wenn man den Begriff „spielen“ hört, immer sofort an kleine Kinder, die Bauklötze aufeinander stapeln oder Puppen in Puppenwagen umherschieben. Hier finde ich, sollte man die Begriffe „Neugierde“ und „Unbeschwertheit“ noch stärker in den Begriff mit einbeziehen als sonst üblich.
Denn beobachtet man Kinder beim Spielen ist es doch immer wieder interessant, wie unbeschwert sie dabei sind, denn sie halten sich an keine Regeln. Viele erwachsene Menschen würden niemals auf die Idee kommen Lego und Playmobil miteinander zu vermischen, denn es sind zwei komplett verschiedene Spielzeuge, die eigentlich garnicht zusammenpassen. Doch Kindern ist das egal, sie spielen mit beidem gleichzeitig. Kinder sind auch sehr neugierig und wollen gerne neue Dinge kennenlernen. Sie fassen alles an und erkunden neue Sachen.
Und genau dort ist der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen (Jung und Alt). Denn wenn Menschen aufhören ihren Instinkten zu Folgen und anfangen alles logisch und sachlich zu bertachten, gehen sie ganz anders durchs Leben als Kinder, die neugierig sind und die nicht erst logisch nachdenken, ob die Größenverhältnisse ihrer Spielzeuge auch stimmen. Ich denke, wenn Menschen ihre Unbeschwertheit und ihre Neugierde an unbekannten Dingen weitgehend verlohren haben, altern sie bzw. sind bereits gealtert. Gerade diese beiden Dinge, Unbeschwertheit und Neugierde, machen meiner Meinung nach ein abwechslungsreiches und interessantes Leben aus.
Es ist aber auch ganz natürlich, dass man im Laufe seines Lebens ein Stück seiner Unbeschwertheit verliehrt, dass ist unumgänglich, denn schon alleine weil man mit der Zeit auch immer mehr Zusammenhänge verstehen lernt und bestimmte Dinge einfach mitbekommt, die eine uneingeschränkte Unbeschwertheit garnicht mehr zulassen (z.B. Krieg). Ich denke aber, wenn Menschen sich nicht so viele Gedanken machen würden und sich ein Stück dieser Unbeschwertheit bewahren, bleiben sie ein Stückweit auch jung. Genauso ist es auch mit der Neugierde, denn wenn einen die vielen unbekannten Dinge die es auf der Welt gibt nicht interessieren, probiert man auch nichts Neues aus. Man bleibt in seinen alten Verhaltensmustern und erfährt keine neuen Dinge. Hierzu ein Beispiel (nach dem Motto: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.“): Eine Frau ist in einem Supermarkt einkaufen. An der Obstteke kauft sie Äpfel, Birnen und Bananen. Gleich neben den Bananen liegt eine rosane Frucht, die sehr exotisch aussieht. Auf dem Schild steht „Drachenfrucht“. Die Frau nimmt sie kurz in die Hand und betrachtet die Frucht, dann legt sie sie wieder zurück und geht weiter.
Die Frau hat nur die bekannten Obstsorten gekauft, die sie schon lange kennt und von denen sie weiß, dass sie ihr schmecken. Doch warum war sie nicht so neugierig und hat die rosane, exotische Drachenfrucht gekauft? Sie kennt sie nicht und weiß nicht, ob sie ihr schmecken wird. Doch was hätte sie schon zu verliehren gehabt? Ein paar Euro. Doch so wird sie immer wieder an der Frucht vorbeilaufen und nicht wissen, wie sie schmeckt und ob sie sie nicht vielleicht doch mögen würde.

Was für ein Zusammenhang besteht zwischen dem gefühlten und dem tatsächlichen Alter?
Ich denke es besteht kein zwingender Zusammenhang zwischen dem gefühlten und dem tatsächlichen Alter.
Denn mit 70 Jahren kann ich immer noch neugierig, unternehmungslustig und rund um fitt sein und mich jung fühlen.
Und außerdem, wer sagt denn, wie ich mich mit 70 zu fühlen habe?
Man fühlt sich mit siebzig vielleicht nicht unbedingt alt und gebrechlich, aber man ist um viele wertfolle Erfahrungen reicher als mit fünfzig, das ist für mich der einzige Zusammenhang, den ich zwischen dem gefühlten und dem geistigen Alter sehe.

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Kommentare
  1. sandrairena sagt:

    Ich finde deinen Beitrag echt gut, denn du hast dir viele Gedanken über das Zitat gemacht.
    Auch ich habe beim ersten Lesen des Kommentars bei dem Wort SPIELEN an Kinder gedacht, die eben zum Zeitvertreib mit Gegenständen spielen, bei denen die Regeln von den Kindern meist selbst festgelegt werden. Du hast den Begriff des Spielens auch auf Neugierde und auf Unbeschwertheit ausgeweitet. Auch ich denke, dass Spielen etwas mit Neugierde zu tun hat, denn Kinder erfinden immer wieder neue Regeln, wie man beispielsweise ein Brettspiel anders spielen kann. So muss man bei „Mensch ärgere dich nicht“ zum Beispiel an den Ecken in der Mitte, sollte man mit seiner Augenzahl genau auf eine kommen, die Seiten über Kreuz wechseln. Dies erscheint ihnen zuerst als geeignet und günstig, da man sich ganze Strecken ersparen kann. Wenn sie dann aber kurz vor ihrem Häuschen sind und auf eine Ecke landen, ändern sie die Regel eventuell ab, sodass man die Ecken nicht wechseln muss, sonder es nur darf und nicht muss, damit sie trotzdem schnell ins Häuschen gelangen. Bei Erwachsenen würde so etwas eher weniger funktionieren, da sie sich an die vor dem Spiel festgelegten Regeln halten werden, da man das generell so macht. Somit darf man das Wort SPIELEN nicht wortwörtlich nehmen, da Großeltern oftmals mit ihren Enkeln Mühle oder Schach oder andere Brettspiele spielen. Sie spielen diese aber mit eher weniger Kreativität. Und man sagt ja oft, dass die Kreativität die jungen Leute ausmacht. Aber in dieser Art jung bleiben, könnte eigentlich jeder, sobald er seiner Fantasie nur freien Lauf lassen würde.
    Genauso finde ich, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem gefühlten und dem tatsächlichen Alter geben muss. Denn nicht nur mit einem hohen Alter kann man noch fit und aktiv oder auch geistlich noch sehr gut sein. Es könnte auch sein, dass sich jüngere Leute nach anstrengenden Arbeiten, bei denen sie schwere Sachen tragen mussten älter fühlen, da ihnen alle Knochen weh tun. Auch wenn man sehr müde und erschöpft ist, kann man sich oft älter fühlen als man wirklich ist. Man muss meiner Meinung nach auch noch zwischen dem körperlichen Alter und dem geistlichen Alter unterscheiden. Denn solange der Geist noch fit ist, kann sich auch der Mensch noch im hohen Alter jung fühlen. Von daher besteht meiner Meinung nach kein Zusammenhang zwischen dem gefühlten und dem tatsächlichen Alter.

  2. tachribri sagt:

    Ich stimme euch beiden auf jeden Fall zu, ich denke auch, dass das gefühlte und das tatsächliche Alter nicht dasselbe sind, und dass es gut ist, sich ein bisschen Kindlichkeit zu erhalten. Aber ich möchte die Frage noch von einer anderen Seite beleuchten. Es nervt mich oft, dass Erwachsene immer ihrer Kindheit hinterhertrauern und diese für den allerwichtigsten und allerschönsten Lebensabschnitt halten. Sie vergöttern Kindheit und Jugend geradezu und laufen dem immer hinterher, um es zurückzugewinnen (z.B. Schönheitsoperationen). In dem Buch „Der kleine Prinz“ sagt Antoine de Saint-Exupéry, dass Kinder allein fähig sind, die Welt wirklich zu verstehen und dass sie Nachsicht mit den verständnislosen Erwachsenen haben müssen. Das geht in eine ähnliche Richtung, auch er hält Kinder für die „wahren Menschen“. Ich denke aber, dass jeder Lebensabschnitt wertvoll ist. In der Kindheit hat man vielleicht die meiste Fantasie, in der Jugend die meiste Kraft, aber wenn man älter wird, hat man dafür andere Eigenschaften, wie z.B. Weisheit, die genauso viel wert sind. Es ist daher nicht richtig, denke ich, Kinder, Spielen und Fantasie so sehr zu vergöttern. Es hat alles seine Zeit. Die Kindheit ist zum unbedarften Spielen da, aber später muss man Verantwortung übernehmen. Daran ist nichts Falsches oder Schlimmes, es ist ganz natürlich und wichtig, dass man sich mit zunehmendem Alter ändert. Aber dass man die Kinder beobachtet und in gewisser Weise von ihnen lernen kann, so wie auch die Kinder von uns lernen können, das ist klar – die Kinder lernen von uns, langsam zu reifen, und wir lernen von ihnen, ein bisschen Unbeschwertheit zu bewahren. Das ist der Gewinn, den die Generationen voneinander haben. Mir war nur wichtig, herauszustellen, dass die Generationen gleich viel wert sind.

  3. granum10 sagt:

    Ich kann euch allen wirklich zustimmen und finde deinen Beitrag sehr treffend und sehr gut. Ich finde dein Beispiel mit der Frau auch sehr treffend. Dennoch möchte ich hinzufügen, dass vieles auch mit der Gesellschaft zusammenhängt. So ist für mich ein typisches Kind, ein Kind welches im Dreck spielt, alles ausprobieren will und sehr viel Fantasie besitzt und keine Grenzen kennt. Einen Erwachsen stelle ich mir als reif, verantwortungsbewusst, zielstrebig oder jemanden der seine Grenzen kennt vor. So entwickeln mir uns weiter, da es die Gesellschaft regelrecht von uns verlangt. So gibt es auch nur sehr wenige Erwachsene die immer noch die selben Eigenschaften wie ein Kind besitzen und ihr Leben voll auskosten und machen worauf sie auch Lust haben.

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