Doppelstundenzusammenfassung

Veröffentlicht: 29. Oktober 2013 von dietugend in Anthropologie, Protokolle

Gymnasium Gerabronn, Ethikgrundkurs K1, letzte Stunde: Mittwoch, 23. Oktober 2013, Thema: Was ist der Mensch? (aus Sicht der philosophischen Anthropologie);  Handlungs-und Willensfreiheit

Protokollant: dietugend/ dt

Anzahl der Anwesenden:  11 Schüler

1) Organisatorisches:

geklärte organisatorische Fragen: Dank an Nina, Zusammenfassung der Doppelstunde

2) philosophische Anthropologie

Zunächst bearbeiteten wir eine Tabelle, in der wir Mensch und Tier gegenüberstellten. Der Mensch hat im Gegensatz zum Tier keine Instinkte, ist nach der Geburt (länger) abhängig, hat Vernunft und gebraucht diese auch des Öfteren und passt sich seiner Umwelt an. Tiere sind an ihr Ökosystem angepasst und haben Vernunft, die jedoch nicht so stark ausgeprägt ist.

Danach lasen wir einen Text von Arnold Gehlen über die Bestimmung von Tier und Mensch und fertigten dazu eine weitere Tabelle zur Gegenüberstellung von Mensch und Tier an (Aufgabe 1 auf dem Arbeitsblatt) (Die Tabelle ist im „Anhang“)

Dann beantworteten wir die Frage, warum der Mensch nach A. Gehlen der Institutionen bedarf (Aufgabe 2): Der Mensch kann sich selbst und andere durch Institutionen ertragen. Sie dienen außerdem zu seiner Orientierung, regeln das Verhalten beziehungsweise leiten das Handeln und wirken entlastend. Die Religion ist zum Beispiel eine Institution.

Danach diskutierten wir den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und Institutionen (Aufgabe 3). Die Institutionen beeinflussen die Persönlichkeit. Um dies am Beispiel der Schule zu verdeutlichen: In der Schule knüpft man Freundschaften und bildet einen Freundeskreis (Gemeinschaft), der die Persönlichkeit beeinflusst. Außerdem nimmt die Schule Einfluss auf die Freizeitgestaltung, auf Werte und Willensentschlüsse und auf das Menschenbild.

Als abschließende Frage und Fortsetzung des Themas: Was ist der Mensch(?), diskutierten wir, ob A. Gehlen (beziehungsweise die Philosophie; dt) die verschiedenen Wissenschaften (Soziologie, Biologie, Neurobiologie und Psychologie; dt) zu einem Gesamtbild vereint. Wir kamen zu der Antwort „ja“, da die Soziologie und Biologie nur herauszufinden versuchen wie der Mensch beeinflusst wird (beziehungsweise entstanden ist (aus biologischer Sicht); dt). Diese Wissenschaften suchen also nur Erklärungsmuster warum der Mensch ist was er ist. Die Philosophie führt diese verschiedenen Sichten zu einem Gesamtbild zusammen und antwortet  konkret auf die Frage was der Mensch ist.

3) Geschlossene Gesellschaft

Wir bearbeiteten ein weiteres Arbeitsblatt und beschäftigten uns mit Handlungs- und Willensfreiheit. Die Handlungsfreiheit ist (in anderen Worten) die Möglichkeit etwas zu tun, während die Willensfreiheit freies Denken beschreibt.

Dann beantworteten wir die Frage, welche Freiheit wichtiger sei.

Argumente für die höhere Bedeutung der Handlungsfreiheit:               

Die Handlungsfreiheit ist wichtiger für das Leben. Außerdem ist sie die Voraussetzung für Willensfreiheit. Sie ist die wichtigere Freiheit, weil es komplette Willensfreiheit nicht geben kann, denn sonst müsste er jede Minute selbst nachdenken und sich entscheiden. Dafür gibt es die Institutionen, die den Menschen entlasten (indem sie das Verhalten leiten und zur Orientierung dienen; dt). Ein weiteres Argument für die These, dass es komplette Willensfreiheit nicht geben kann, ist dass der Verstand Grenzen hat. Der blinde Fleck zeigt die Grenzen auf: Ich kann nicht gleichzeitig darüber nachdenken wie ich gerade über mich nachdenke. Darüber hinaus hat der Mensch nur eine beschränkte (die innere) Wahrnehmung. Zudem ist die Willensfreiheit keine „wirkliche Freiheit“, weil das Denken immer durch äußere Umstände beeinflusst wird und die Willensfreiheit somit immer eingeschränkt ist (der Mensch kann nicht darüber entscheiden worüber er nachdenkt; dt).

Argumente für die Position, dass Willensfreiheit wichtiger ist:

Sie ist die größere Freiheit, da bei der Handlungsfreiheit Faktoren vorgegeben sind zwischen denen der Mensch wählen muss. Außerdem ist sie wichtiger für die Gesellschaft, denn ohne sie gäbe es keinen Fortschritt. Es ist wichtiger Willensfreiheit zu haben, denn Handlungsfreiheit kann auch manchmal eingeschränkt sein, wenn der vorgegebene Faktor, den ich wählen muss zu moralischem Handeln führt.

Dabei kamen wir auf Sartre zu sprechen. Der Philosoph Sartre ist der Meinung, dass wir zur Freiheit verdammt sind. Die einzige Einschränkung dabei sei nur, dass wir uns nicht gegen diese Freiheit wehren könnten.

Das Problem bei der Beantwortung der Frage ist jedoch, dass die beiden Freiheiten zusammenhängen. (Wenn ich keine Handlungsfreiheit habe, kann ich nur eingeschränkt denken, da ich sowieso nicht zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten/ Faktoren wählen kann. Wenn ich nicht frei denken kann und keinen freien Wille habe, kann ich nicht nach meinem Willen handeln. dt)

Danach beschäftigten wir uns mit dem Text „Geschlossene Gesellschaft“ (auf dem Arbeitsblatt). Dabei beantworteten wir die Frage, was ein Determinist und Interdeterminist ist.

Ein Determinist ist eine Person, die davon überzeugt ist, dass der Mensch keinen freien Willen hat, weil alles durch äußere Umstände (Vorbedingungen; dt) bestimmt wird. Ein Interdeterminist ist genau der gegensätzlichen Überzeugung: der Mensch hat freien Willen (weil alles was passiert auch hätte anders eintreten können; dt). Determinismus heißt also, dass A immer zu B  führt (A–>B). Beim Interdeterminismus kann A zu B oder zu C führen  (A–> B/C) (oder zu E oder F; dt).

Ein Beispiel gegen die Auffassung des Determinismus ist, dass nicht jeder der eine schlimme Kindheit hatte, kriminell wird.

Zuletzt blieb die Frage inwieweit der Staat eingreifen darf um unsere Freiheit zu schützen und die Frage was überhaupt gut für das Individuum ist, (denn Individuum und Gesellschaft sind nur schwer zu vereinbaren; dt), weitestgehend offen.

 

Hier der Anhang (hat leider nicht anders funktioniert)

Anhang

Differenzen

Tier

Mensch

Morphologie (äußere Gestalt)

Angepasstheiten, Spezialisiertheiten, hohe Entwicklung (im biologischen Sinne)

Durch äußere Mängel bestimmt, unterentwickelt

z.B. Fehlen des Haarkleids für Witterungsschutz

Instinkte

Zum Überleben geeignete  natürliche Instinkte

Mangel an Instinkten

à lebensgefährlich

Kleinkindalter

Relativ schnell emanzipiert

Lange Schutzbedürftigkeit

Gang

Mit allen Füßen, keine Hände frei

Aufgerichtet mit freigelegten Händen

Feststellung

Festgestellt

Handlungswesen;

Noch nicht eindeutig festgestellt (definiert)

Institutionen

Organisiert z.B. Rudel, Bienen

Orientierung, auf Institutionen angewiesen

Bsp.: Staat, Ehe, Polizei

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