Homo-Ehe vs Familie?

Veröffentlicht: 23. November 2013 von sumsilatipakitna in Gesellschaft

In Russland werden Homosexuelle oder ihre Unterstützer auf offener Straße angegriffen, in den usa wird ein Pfarrer, der seinen homosexuellen Sohn mit dessen Freund getraut hatte, suspendiert (http://m.spiegel.de/panorama/gesellschaft/a-934378.html) und auch in Deutschland debattieren die Politiker heftig über eine Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der bekannten Ehe. Die Thematik bringt zurzeit viele Gemüter in Wallung.
Doch wie sieht es ethisch aus? Ist die Ehelichung von gleichgeschlechtlichen Paaren, mehr noch, das Adoptionsrecht und damit die Bildung einer Familie auf juristisch gleicher Ebene wie der Institution Familie überhaupt ethisch vertetbar, besonders im Hinblick auf die Kinder?

Eine Familie ist eine „aus einem Elternpaar oder einem Elternteil und mindestens einem Kind bestehende [Lebens]gemeinschaft“, so definiert der Duden den Begriff (http://www.duden.de/rechtschreibung/Familie). Sie ist eine der ältesten Institutionen, vielleicht sogar die erste. Sie war die Voraussetzung für die Bildung von Clans, Stammesgruppen, Völkern und schließlich Nationen wie wir sie heute kennen. Darüberhinaus war die Familie überhaupt die erste Chance für den urzeitlichen Menschen, durch Gemeinschaft seinen Überlebenskampf zu erleichtern und damit auch seine Fortentwicklung zu ermöglichen. Sie hatte also zunächst einen allein pragmatischen Zweck, aber bis die Familie, wie wir sie heute kennen, entstand, sollten tausende von Jahren vergehen. Die Grundlage für eine jede Familie war jedoch von jeher und bis heute die Zusammensetzung aus zwei Eltern und ihrem Kind, also einer Verwandschaft der Familienangehörigen. Lediglich die Funktion änderte sich. Heute sorgt die Familie für Geborgenheit, hilft bei Problemen; sie ist überhaupt die erste soziale Gemeinschaft die ein Kind erlebt und hat damit auch große Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes.

Nun gibt es den Wunsch, eine Familie zu gründen, auch bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Natürlich berechtigt, wie der heute offene Mensch urteilt. Aber bereits da scheiden sich die Geister in unserer Gesellschaft, denn viele wollen die jahrtausende alte Institution nicht grundlegend verändern und eine Ehe erst gar nicht ermöglichen.
Darauf soll aber nicht näher eingegangen werden. Vielmehr stelle ich die Frage nach der Berechtigung eines Adoptionsrechtes. Sollten auch homosexuelle Paare ein Kind haben dürfen, es großziehen und erziehen dürfen?
Im ersten Moment scheint es für viele wahrscheinlich absurd und diskriminierend, dieses Recht zu verwehren.
Doch wie sieht es mit den Kindern aus. Ist es nicht unethisch, ein nicht entscheidungs-fähiges Kind in diese neue Familienform zu „werfen“, mit der Gefahr, dass es sich später vor der Gesellschaft rechtfertigen muss und es zu einem Familienbruch kommt? An dieser Stelle ist es meiner Meinung nach sehr hilfreich, sich nun einmal vorzustellen, eines von wenigen Kindern zu sein, das „zwei Väter“ oder „zwei Mütter“ hat. Wie werden die Reaktionen seitens der Gesellschaft, der Mitschüler, Freunde etc. sein, von Kindesbeinen auf und wie geht das noch unmündige Kind mit höchstwahrscheinlich auftretender Schikane und Mobbing um?

Sind die Homo-Ehe und das Adoptionsrecht in diesem Sinne ethisch vertretbar?

Mir ist klar, dass die Fragestellung auf keinem konkreten philosophischen Konzept aufbaut, aber angesichts der Aktualität wollte ich gerne diese Thematik diskutieren. Ich freue mich vor allem auf philosophische Lösungsansätze und insbesondere auf Hinweise zu bestimmten Philosophieströmungen die solch eine Fragestellung zu lösen versuchen.

-sumsilatipakitna-

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Kommentare
  1. hackfleisch567 sagt:

    Ob es falsch ist, Leute aufgrund ihrer bloßen Tendenz zu gleichgeschlechtlichen Partnern zu diskriminieren oder körperlich zu bedrängen, ist wohl keine Frage. Im Grunde ist Homosexualität etwas Normales und es existiert schon seit Urzeiten und selbst im Tierreich ist es vertreten. Viele denken, dass eine gleichgeschlechtliche Ehe mit Kindern nicht berechtigt sei, weil es nicht ’normal‘ sei. Da käme man aber schon zur nächsten Frage: ‚Was ist eigentlich ’normal‘?‘. Andere meinen, wie du es in deinem Beitrag schon erwähnt hast, dass es nicht zu rechtfertigen sei, weil dadurch die Kinder später Probleme bekommen könnten. Das wäre zwar der einzige Grund, den ich diesbezüglich nachvollziehen kann, aber es gibt da eine Menge Argumente dagegen. Nämlich ist es nicht bewiesen, dass Kinder dadurch seelische Schäden oder vermehrtes Mobbing erhalten werden. Außerdem ist es momentan gewissermaßen auch eine Diskriminierung an die Kinder, die schon in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften groß geworden sind, weil es ja den Anschein erweckt, unnormal und nicht unbedingt gut zu sein, wenn man das Adoptionsrecht nicht an beide Elternteile erteilt. Desweiteren sollte man sich ins Gedächtnis rufen, dass wir im 21. Jahrhundert leben und so viel Toleranz doch möglich sein sollte und irgendwann muss man eben mal den Anfang machen. Selbst wenn es die Kinder am Anfang schwerer haben sollten, erreicht man doch ein gewisses ziel am Ende, weil es mit der Zeit als ’normal‘ gelten wird. Das kann aber nie so werden, wenn keiner den Anfang macht und der erste Schritt wäre die Ermöglichung einer normalen Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern und etwas weit Schwereres: Die Veränderung der Einstellung von allzu konservativen Leuten und beispielsweise der CDU, wobei ich da jetzt eigentlich nicht näher drauf eingehen wollte ;). Außerdem, da das mit dem Wohl der Kinder damit jetzt beantwortet wäre, sollte man es auch mal aus Sicht der in diesem Themengebiet Betroffenen sehen: Was ist denn das für ein Gefühl der Akzeptanz und Toleranz (Ironie :D), nur aufgrund seiner Tendenz zu gleichgeschlechtlichen Partnern keine gemeinsamen Kinder haben zu dürfen? Es gibt auch die Möglichkeit, dass einer der beiden Partner das Kind austrägt oder zeugt (mit einer Person des anderen Geschlechts oder über einen künstlichen Weg), aber das ist kompliziert und es will nicht jeder. Wenn man nun so argumentiert, dass man sagt, dass es nur eine richtige Familie sein kann, wenn Verwandtschaft zwischen den Familienmitgliedern besteht und es die Natur so wollte, dass nur Mann und Frau gemeinsam Kinder haben dürfen, dann dürfte man zeugungsunfähigen gegengeschlechtlichen Partnern nicht die Möglichkeit einer Adoption freigeben, weil das dann auch unnatürlich ist und künstliche Befruchtung ginge dann auch nicht. Eine sehr interessante Argumentation kam mir auch noch zu Ohren, dass, wenn man den Homosexuellen ihr Eherecht und ihr Adoptionsrecht geben würde, man die Homosexualität damit legalisieren würde und die Natur aus dem Gleichgewicht geriete, weil sie von selbst keine Kinder zeugen können und das somit nicht zum Bevölkerungswachstum Deutschlands beitragen würde. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich mir wirklich überlegt habe, ob ich das hier überhaupt erwähnen soll, weil es meiner Ansicht nach ein sehr großer Schwachsinn ist, weil Homosexualität nicht ‚legalisiert‘ werden muss und die, die unbedingt ein Kind wollen, können auch auswandern; würde das zum Bevölkerungswachstum beitragen? Außerdem gibt es nicht mehr Homosexualität, wenn man ihnen das Adoptionsrecht zuspricht als vorher. Ich zweifle es doch sehr an, dass sich die Homosexuellen jetzt einen gegengeschlechtlichen Partner suchen, um mit ihm Kinder zeugen zu können.
    Ich wollte mich ursprünglich nicht auf einen Standpunkt festlegen, weil ich finde, dass man immer beide Seiten betrachten muss, aber da ich das nun getan habe, kann ich auch klar sagen, dass ich dafür bin, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten und Kinder adoptieren dürfen sollen.

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