Platons Philosophenherrscher & Realpolitik

Veröffentlicht: 2. Dezember 2013 von sumsilatipakitna in Allgemein, Philosophie

Platon ernannte in seinem Idealstaat die Philosophen zu Herrschern. Sie sollten jenseits von Egoismus oder gar Korruption handeln und Entscheidungen treffen. Doch wie sähe es heute aus? Wären Platons Philosophenherrscher auch in der heute global vernetzten, komplexen Welt in der Lage, Entscheidungen zu treffen?

Es sollen mitnichten die Fähigkeiten der Philosophen angezweifelt werden, aber zu den Eigenschaften eines guten Philosophen gehört auch, seine Theorie oder seinen Lösungsansatz zu überdenken und möglichst kritikresistent zu formulieren. Ist dies angesichts sich ständig ändernder Sachverhalte und der Notwendigkeit schneller, aber trotzdem gewichtiger Entscheidungen überhaupt noch möglich?

Es hört sich fast perfekt an: Die Weisheit an die Spitze der Stadt bzw. des Staates zu stellen, um so Gerechtigkeit walten zu lassen. Das war Platons Vorschlag in seinem Dialog „Politeia“. Grundlage für die Kompetenz der Philosophenherrscher wäre eine jahrzehntelange Ausbildung. Diese würde die angehenden Regenten von Kindesbeinen an in verschiedensten Bereichen wie Arithmetik, Moral, Ethik, Disziplin etc. schulen und damit dafür sorgen, dass der Philosoph nicht nur geistige Höchstleistungen bringt, sondern auch praktisch handeln kann, je nach Situation.

Doch war die Welt zu Platons Zeiten ganz gewiss eine andere. Heute müsste ein Philosophenherrscher überaus schnelle, den Sachverhalten gemäße Entscheidungen treffen, Dillemas begegnen und Lösungen treffen, die oft das Völkerrecht missachten und Moral und Ethik scheinbar außer Kraft setzen, über Krieg und Frieden urteilen, schlichtweg würde jede Entscheidung spürbare Konsequenzen, oft auf globaler Ebene, haben.

Wären die Philosophen also fähig, Realpolitik zu betreiben?

-sumsilatipakitna-

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Kommentare
  1. Laut Platon gibt es zwei Möglichkeiten für einen Staat mit Philosophenherrscher. Die jetzigen Herrscher können Philosophen werden, oder man kann die jetzigen Philosophen herrschen lassen. Ich denke, dass es heutzutage vielleicht nicht mehr genauso möglich ist wie es Platon gerne gehabt hätte, aber es ist doch keine schlechte Idee. Da ich der Ansicht bin, Menschen sollten nicht über andere urteilen und, dass es keine höheren und niedrigeren, keine besseren und schlechteren Menschen gibt, wäre es schon einmal eine Verbesserung, Philosophen als Herrscher einzusetzen, denke ich. (Die jetzigen ‚Herrscher‘ zu Philosophen zu ‚erziehen‘ wäre bei den meisten wohl hoffnungslos :D). Denn wenn man die richtigen Philosophen einsetzt, würden sie tatsächlich ohne egoistische Ziele handeln, somit wären sie auch nicht korrupt und ich denke, wenn sie es öfter tun, also üben würden, könnten sie durchaus recht schnell einen überdachten Beschluss fassen, der gleichzeitig kritikresistent ist. Ich denke nicht, dass es eine Rolle spielt, ob die Sachverhalte sich ständig ändern oder nicht, da Philosophen objektiv und nach ihrem Schema die Entscheidungen treffen und sich meiner Meinung nach nicht dem Wandel der Gesellschaft anpassen sollten.
    Man kann die von dir genannten nötigen Fächer ja in die jetzigen Stundenpläne integrieren und ab einer bestimmten Klasse muss man sich dann entscheiden, in welche Richtung man gehen möchte. Ist es Politik, so werden diese Kinder dann darin noch mehr geschult.
    Ich denke nicht, dass ein heutiger Philosophenherrscher zwingendermaßen entweder das Völkerrecht missachten oder Moral und Ethik (scheinbar) außer Kraft setzen würde, denn genau das soll ja nicht passieren und da soll ein Philosophenherrscher dann für sorgen. Vielleicht müsste man einfach noch einmal die Gesetze mit ihren Rechten und Pflichten überdenken. Ein Philosophenherrscher kann bestimmt besser über Krieg und Frieden entscheiden als ein ’normaler‘ heutiger Politiker. Es wäre sehr schön, wenn man pazifistische Philosophen ‚einstellen‘ würde und, wenn alle drei Gewalten (die Legislative, die Exekutive und die Judikative) mit Philosophen besetzt wären.
    Also, ich bin der Ansicht, dass Philosophen auf alle Fälle zu Realpolitik fähig wären.

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