Ist es ethisch vertretbar, den Urwaldvölkern unsere Kultur aufzudrängen?

Veröffentlicht: 26. Dezember 2013 von hackfleisch567 in Allgemein
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Ich habe den Anfang eines Buches gelesen, das mich letztendlich auf diese Idee gebracht hat, über dieses Thema zu schreiben. Der Titel ist ‚Überleben in der Todeszone‘ und ich frage mich, ob es richtig ist, den Urwaldvölkern unsere Kultur aufzudrängen. Sicherlich ist es nicht richtig, ihre Bäume aus reiner Geldgier zu fällen und sie und die dort lebenden Tiere auszurotten. Aber manche Menschen unserer Zivilisation gehen auch friedlich mit  ihnen um und lassen ihnen Kleidung da und geben ihnen fremde Geschenke. Irgendwann werden auch diese Menschen in die Zivilisation kommen, ihre Urinstinkte und das Wissen von Jahrtausenden wird verloren gehen, da man bei den jüngeren Generationen schon vermehr beobachten kann, dass sie elektronische Geräte mehr interessieren als ihre Landeskunde und die damit verbundenen Rezepte, Heilungsmethoden, die übrigens sehr eng mit unseren verbunden sind und im Endeffekt ebenso funktionieren. Es verläuft friedlich, aber ist es richtig? Sie merken es nicht und wir merken es auch nicht, das ist wie ein langsam kriechender Krankheitserreger, der sich in den Menschen einnistet; es gibt für viele von ihnen kein Entkommen mehr. Für Geld führen sie Biologen und Wissenschafter durch ihren Dschungel und lassen sich T-Shirts und noch viel modernere Dinge als indirekte Bestechung bzw. schlecht durchdachtes Dankeschön schenken. Ja, Menschen sind neugierig und ich kann verstehen, dass es sie interessiert, wenn da eine für sie unbekannte und neue Lebensweise zum Vorschein kommt. Ich wäre manchmal gerne ein ‚Urwaldmensch‘, man hätte nicht weniger Probleme, aber andere und man ist mehr mit dem Überleben beschäftigt als damit, sich in furchteinflößende Situationen zu begeben, um Angstlust zu empfinden. Leider gibt es kaum mehr Urwaldvölker, die komplett ohne Einfluss von außen leben. Die Alten wissen auch, dass es nichts Gutes ist, aber sie können nichts dagegen tun und die Jungen können nicht wissen, welches Wissen da verloren geht. Mein Standpunkt dürfte damit vage begründet und deutlich geworden sein, aber mich würde eure Meinung dazu interessieren. Vielleicht gibt es ja auch Vorteile davon.

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Kommentare
  1. dietugend sagt:

    Ich denke, die Fragestellung, die du ansprichst, ist eine sehr wichtige, da sie auch immer noch aktuell ist. Ich bin jedoch anderer Meinung: Meiner Meinung nach ist es ethisch vertretbar, den Urwaldvölkern unsere Kultur zu zeigen, es ist jedoch nicht ethisch vertretbar diese Kultur aufzudrängen. Ich denke, das ist ein großer Unterschied, denn wenn man die Völker wählen lässt, haben sie die freie Entscheidung, sie könnten auch ablehnen und so weiterleben wie bisher.
    Meiner Meinung nach ist es nicht richtig, den Völkern unsere Kultur vorzuenthalten; denn wenn sie nicht wissen, was sie vielleicht verpassen, können sie sich auch nicht verändern und weiterentwickeln: Veränderung und Neuorientierung sind essentiell für Fortschritt und Verbesserung. Oft gibt es auch noch unterentwickelte Völker, in denen behinderte Babys oder Zwillinge getötet werden, in dem Glauben sie wären seelenlos und verflucht.
    Daher bin ich der Meinung, dass wir den Völkern Bildung zur Verfügung stellen und den Opfern helfen sollten. Wir sollten den Völkern die Chance geben sich weiterzuentwickeln und nicht bei der Verletzung von Menschenrechten tatenlos zusehen. Die Kultur (gewaltsam) aufzudrängen, ist aber keine Lösung!

    • schlumpfiinchen sagt:

      Ich bin hierbei völlig deiner Meinung, dass man diesen Völkern unsere Kultur zeigen sollte, jedoch auf keinen Fall aufzwingen darf!
      Die Entwicklung spielt dabei eine wichtige Rolle, denn es könnte für die Völker zu großen Verbesserungen in allen Bereichen wie Gesundheit und Lebensstandard kommen.
      Ich denke nur, das es sehr schwer ist diese Menschen davon zu überzeugen, da sie ihre Gründe für ihr Handeln haben, auch wenn diese Handlungen für uns teilweise als grausam erscheinen und gegen unsere Menschenrechte verstoßen, sehen diese Menschen etwas positives dabei. Wir würden uns auch nicht so einfach von einer anderen Kultur überzeugen lassen, deshalb sollte man über das aufzwingen unserer Kultur nicht einmal nachdenken!
      Man sollte zuerst die fremde Kultur verstehen, bevor man seine eigene Kultur durchsetzt!

  2. avocadobrei sagt:

    Erstmal frage ich mich, was das Roden des Regenwalds mit Kultur zu tun hat. Wenn wir mit der Zerstörung des Regenwalds unsere Kultur zeigen, dann frage ich mich, was das für eine Kultur sein soll! Und wer würde sich für so eine Kultur entscheiden? Bei der Abholzung des Waldes und der Zerstörung ihres Lebensraums geht es nicht darum, ihnen unsere Kultur aufzudrängen, sondern um die Rohstoffe und den Platz. Die dortigen Bewohner entscheiden sich doch nicht freiwillig dafür ihre Heimat aufzugeben, aber durch uns bleibt ihnen nichts anderes übrig in die Stadt zu gehen, um Geld zu verdienen, damit sie sich etwas zu essen kaufen können, denn dort wo wir gewütet haben, ist alles zerstört und viele nützliche Tier sind ausgestorben.

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“
    (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Weissagung_der_Cree)

    Diese Weissagung spiegelt meiner Meinung nach sehr gut, dass es einzig allein unsere Geldgier ist, die Verantwortlich ist für die Zerstörung der Natur, den das eigentlich wichtige, die Natur, stellen wir unter das Geld, das eigentlich keinen richtigen Wert hat. Es ist von Menschenhand entstanden und ist eigentlich nur ein Stück Papier, wo für wir etwas viel wertvolleres zerstört haben.

    Außerdem hätte man von den Folgen der Indianervertreibung lernen können.
    Und es spielt keine Rolle, ob man es „friedlich“ löst oder nicht, was für diese Menschen friedlich ist interessiert uns nicht (Der Film „Avatar“ zeigt das ganz gut). Sie stellen für uns Arbeiter da oder auch Aufständische, die kämpfen könnten. Es ist deshalb immer noch moralisch nicht vertretbar. Wer dann noch glaubt, dass das angebaute Soja zu dem Verzehr für Vegetarier da ist und sich als Fleischesser auf der sicheren Seite fühlt, der soll mal schauen wie viel Prozent vom Soja für unsere Hühner sind (98%).

    Das obige Zitat zeigt mir übrigens, dass wir nicht weiterentwickelter sind als Indianer oder in diesem Fall Urwaldbewohner. Im Gegenteil, wir sind blind und dumm, weil wir nicht die Folgen unseres gierigen Handelns betrachten und selbst wenn wir es wissen, schauen wir trüber hinweg.
    Wir sollten viel lieber von ihnen lernen, dass bescheiden zu leben einen auch glücklich machen kann und das die Natur sehr viel wichtiger ist, als für uns jetzt, nämlich um noch mehr Geld zu bekommen. Wer sagt, dass die Völker des Waldes etwas verpassen? Lärm, Kriminalität, Korruption und Geldgier sind glaub ich nicht besonders lockend und reizvoll. Man macht glaub ich lieber Urlaub in die schöne Natur (schöne natürliche Strände, Sonnenuntergänge am Meer, Wasserfälle, schöne Tiere und Pflanzen), als in die überfüllten Städte mit Sightseeing Stress, den man auch zuhause hat. Aber wenn die Natur zerstört wird können wir das sowieso vergessen.

  3. fredlchen sagt:

    Ich finde auch, dass wir unsere Kultur nicht (mit Gewalt) auf die Urbewohner übertragen sollen. Aber ich denke auch nicht, dass es ein Fehler ist, ihnen unsere Welt und Kultur zu zeigen. So können beide Kulturen voneinander profitieren.
    Ich fände es eine gute Idee, wenn wir uns den Ureinwohnern annähern, sie aber nicht zwingen Kontakt mit uns aufzunehmen, sondern sie freiwillig auch ein paar Schritte auf uns zugehen zu lassen. Es muss von beiden Seiten ein Einverständnis kommen und nicht, dass die einen die anderen vertreiben, indem sie ihnen immer mehr „auf die Pelle“ rücken und sie überrumpeln. Auch geht es meiner Meinung nach nicht, wenn man ihnen „Geschenke“ aus unserer Welt mitbringt, ihnen von unserer Kultur erzählt und im Gegenzug kein Interesse an der Ihrigen zeigt.
    Früher in Europa wurden viele heidnische Bräuche und Festtage durch christliche ersetzt anstatt sie nur abzuschaffen und für falsch zu erklären (z.B. ist der Tannenbaum kein christliches Symbol wurde aber von dem heidnischen Brauch übernommen => http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsbaum#Geschichte). Dies ist meiner Meinung nach eine gute Idee. So kann man die guten Dinge der beiden Kulturen vereinen und Probleme der beiden lösen oder verringern.
    Natürlich schreitet die Zeit voran und mit der Zeit kommen Veränderungen und Fortschritt. Aber mit jeder Zeit kommen auch neue Probleme auf, sobald ein Problem aus der Welt geschafft wurde kommt ein neues.
    Aber wie bei dietugend schon erwähnt, hat auch die Kultur der Ureinwohner ihre Probleme und Schwächen, deshalb finde ich es eine gute Lösung wenn man beide miteinander vereint.

  4. madbread sagt:

    Ich schließe mich den oben stehenden Kommentaren an. Es macht durchaus Sinn den Urvölkern des Regenwaldes ein wenig Modernität in Bezug auf Medizin, Hygiene und den Wissenschaften zu schenken, da dies für jene Völker ein unheimliche Bereicherung wäre. Doch ich würde mich auch gegen den Gedanken „unsere Kultur den Ureinwohnern aufzudrängen“ aussprechen. Vor allem die von avocadobrei genannten negativen Auswüchse unserer Gesellschaft (Geldgier etc.) sollten wir mit allen Mitteln von diesen, in dieser Hinsicht reinen Völkern fernhalten!

  5. chibimikuuu sagt:

    Da stimme ich avocadobrei vollstens zu.
    Was wäre wenn sie ihre Kultur beibehalten wollen? Das hört sich jetzt ganz nett an, ihnen nur unsere Kultur zu zeigen und das war es dann jedoch sieht die Realität ganz anders aus. Die Leute die dort leben haben keine andere Wahl außer sich der rapide ändernden Umgebung anzupassen.
    Was wir an Rohstoffen benötigen wird von ihrem Zuhause, dem Regenwald abgeholzt. Ob wir damit ihre Kultur verletzten kam noch nicht auf. Bei einigen Urvölkern war der Wald nicht nur Holz sondern ein lebendiges Wesen. Er wurde geehrt und man nahm sich im Gegenzug was man benötigte. Ihre Kultur lehrt uns, dass man sorgsam mit den Ressourcen umgehen muss. Sollte sich unsere Kultur nicht auch eine Scheibe davon abschneiden?
    Vor allem drängen wir sie nicht nur durch die Abholzung in die Enge. Umweltverschmutzung, Treibhauseffekte, all das bekommen sie ab auch wenn sie kaum dazu beigetragen haben. Haben sie dann noch groß eine Wahl sich ihr Zuhause, ihre Kultur aussuchen zu können?

  6. Lilleth sagt:

    Die Frage ist doch eher, dürfen wir als verwestlichte Europäer oder überhaupt als Menschen, anderen unsere Gesetze aufzwingen. Dürfen wir also sagen, dass ihr eure zB. behinderten Kinder tötet das verstößt dagegen die Menschenrechte. Ich meine was vor Ihr Entdeckung dort gelaufen ist, hat uns doch gar nicht interessiert, warum also jetzt. Diese Völker hatten doch garnichts zu tun mit den Gesetzen die wir in die Welt gesetzt haben? Es ist zwar durchaus möglich Ihnen unsere Kultur näher zu bringen, aber dann gleich über Ihre zu urteilen ist meine Meinung nach falsch.

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