Primark vs. Manomama

Veröffentlicht: 5. Juli 2014 von fredlchen in Allgemein, Gesellschaft, Recht&Gerechtigkeit

Primark ist einerseits schon lange als Billigkleiderkette bekannt und boomt immer mehr.
Andererseits ist sie auch schon lange bekannt für die Kinderarbeit und die schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhne in ihrer Produktion im Ausland (z.B. Bangladesch).

Der neuste „Skandal“ Primarks wurde jetzt am 25. Juni 2014 bekannt.
Eine Frau hat sich ein Kleid für 12 Euro in der Primarkfiliale in London gekauft. Auf der Suche nach der Waschanleitung ist sie in ihrem Kleid auf einen von Hand eingenähten Zettel gestoßen auf dem folgendes stand: „Forced to work for exhausting hours“ (dt: Gezwungen, stundenlang bis zur Erschöpfung zu arbeiten). Ob er direkt bei der Produktion von einer Näherin oder erst später in England eingenäht wurde ist unbekannt.

Die Käuferin war sich vor dem Fund laut eigener Aussage nicht über die Umstände der Näherinnen bewusst und wird das Kleid nie wieder anziehen.
Es ist ein kurzer Schock für die Öffentlichkeit, jedoch verebbt dieser nach kurzer Zeit schon wieder. Und die Mehrheit der Konsumenten kauft weiterhin bei Kleiderketten wie H&M, New Yorker oder eben Primark ein…

http://www.focus.de/kultur/mode/zwischen-die-etiketten-genaeht-frau-findet-hilfeschrei-einer-naeherin-im-primark-kleid_id_3942759.html

Aber muss das sein? Gibt es denn keine andere Lösung?
Ich muss selber eingestehen, dass die meisten meiner Kleider in meinem Schrank auch von solchen „Billigketten“ stammen. Aber was genau ist es, dass es mir/uns so schwer macht fair hergestellte Kleidung zu kaufen?

Ein Beispiel für fair hergestellte Kleidung in Deutschland ist Sina Trinkwalders ökosoziale Textilfirma „manomama“, die sie 2010 in Augsburg gründete.
Die Stoffe und das Nähgarn, das dort verarbeitet wird ist aus Biobaumwolle und in Deutschland hergestellt worden.
Außerdem ermöglicht sie langjährig arbeitslosen Frauen (z.B. Hausfrauen, Mütter,…) den Wiedereinstieg ins Berufsleben. Zusätzlich stellt sie auch Ausländerinnen und Näherinnen, die auf dem Arbeitsmarkt schlechte Chancen haben, ein.
Jede, eingeschlossen Sieselbst, erhält 10 Euro Stundenlohn.

Sie fing mit einfachen Taschen an und erweiterte ihr Sortiment auf Herren- und Damenkleidung und wenige Accessoires. Ein Kleid kostet allerdings von 39,90 bis 129 Euro, was im Gegensatz zu den 12 Euro von Primark eine ganze Menge ist.

Ihr Buch: „Wunder muss man selber machen – Wie ich die Wirtschaft auf den Kopf stelle“, 1. Auflage erschienen 2013 im Droemer-Verlag
Ihre Website mit Onlineshop: http://www.manomama.de/shop/

Aber ist es das Geld nicht wert? Oder ist es okay, wenn ich auf Kosten anderer und unserer Umwelt meinen Kleiderkonsum auslebe? Kann ich oder könnt auch ihr das mit eurem Gewissen vereinbaren? Denn Wegschauen und Ignorieren ist auch keine Lösung!

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Kommentare
  1. schlumpfiinchen sagt:

    Natürlich sind solche Ausbeutungen in der Textilbranche nicht in Ordnung. Ich denke jedoch, dass das größte Problem das fehlende Verantwortungsgefühl der Käufer ist. Dies kommt daher, dass immer nur von der allgemeinen Verantwortlichkeit die Rede ist, aber nicht von der des einzelnen. Dazu kommt das die von dir erwähnten Marken, die Kleider unter fairen Bedingungen herstellen, relativ unbekannt sind. Außerdem besteht oft der Schein, dass teurere Marken, wie zB. Tommy Hilfiger, Esprit usw. unter besseren Bedingungen produzieren. Oft werden diese Artikel jedoch in den gleichen Fabriken hergestellt, wie die Produkte von H&M etc. Man bezahlt also den höheren Preis nicht für die Näherinnen, sondern für die Marke selbst. Ein weiterer Grund für die Verweigerung von fair hergestellten Kleidern ist der hohe Preis. Somit bleiben die Hersteller, wie Primark und H&M attraktiv, worüber die Allgemeinheit sich ihre Gedanken machen sollte.

  2. dietugend sagt:

    Meiner Meinung nach sollte man Kleider kaufen, die unter fairen Bedingungen für die Arbeiter hergestellt wurden, denn man selbst würde auch nicht für einen Hungerlohn arbeiten wollen. Die Arbeiter sollten genug Lohn erhalten, um im Leben gut zurechtzukommen. Zudem denke ich, dass es auch wichtig ist, dass die Herstellung der Kleidung nicht auf Kosten der Umwelt geschieht.

    Wegschauen und Ignorieren ist natürlich keine Lösung, dennoch sollte Leuten, die bei Textildiscountern Kleidung kaufen, auch etwas Verständnis entgegengebracht werden. Viele Menschen kaufen bei Primark, H&M und Co Kleidung, weil sie wenig Geld haben und sich zum Beispiel kein Kleid für 100 Euro kaufen können. Inzwischen sollte jeder wissen, dass ein Kleid für 12 Euro nicht unter fairen Bedingungen hergestellt werden kann, denn Kinderarbeit und schlechte Arbeitsbedingungen der Arbeiter, die für solche Textildiscounter arbeiten, sind ständiges Thema in den Medien. Ich denke, dass viele Menschen sehr betroffen sind, wenn sie direkt mit diesem Thema konfrontiert werden, doch wenn sie dann zum Beispiel durch Kataloge angelockt werden, können die wenigsten widerstehen, sie verdrängen dann einfach die schlimmen Bilder aus ihrem Kopf. Dann gibt es noch Leute, die nicht darauf verzichten wollen, einen überfüllten Kleiderschrank zu besitzen oder neuen Trends zu folgen. Diese Leute kaufen dann eben bei Primark und nicht bei einer teuren Textilmanufaktur, auch weil wir uns glücklich fühlen, wenn wir Schnäppchen machen können. Shoppen löst bei vielen Menschen ein Glücksgefühl aus. Außerdem ist auch der Gruppenzwang ein Problem, wenn die Freunde zu Primark& Co gehen, kann man nur schwer widerstehen. Zudem kommt das fehlende Verantwortungsgefühl, das schlumpfiinchen bereits angesprochen hat.

    Es stellt sich die Frage, wie dieses Problem gelöst werden kann. Ich denke, dass nur der Konsument etwas an den schlechten Bedingungen der Arbeiter ändern kann. Wir sollten bewusster einkaufen gehen, nicht jedem neuen Trend folgen, das heißt seine Kleidung länger tragen und wer es sich leisten kann, sollte auch auf anerkannte Siegel und Zertifikate wie Fairtrade achten. Das setzt voraus, dass sich der Konsument mit diesem Thema auseinandersetzt.

  3. chibimikuuu sagt:

    Ich bin der Ansicht, dass die Medien einen Großteil zu diesem Problem beitragen. Tagtäglich werden wir mit Werbung überhäuft; seien es Werbeanzeigen auf einer Reklame, einen kurzem Werbespot im Fernsehen, etc. Sie alle vermitteln uns die Aussage: „Kaufen. Nur der Kauf neuer Produkte macht glücklich.“ Und wer kann es sich schon leisten, jeden neuen Trend mitzuverfolgen, wenn ein einzelnes fair gehandeltes Produkt über 100€ kostet. Außerdem wie viele Werbungen von fair gehandelten Klamotten kommt schon beispielsweise im Fernsehen vor? Wenn man mal so darüber nachdenkt sind es beachtlich wenige. Dass die Arbeiter bei den Werbespot Kleidermarken unfaire Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne und viel zu lange Arbeitszeiten haben, steht nicht mal im Kleingedruckten.

    Man wundert sich nicht, wenn sich die Leute freudig in die Läden stürzen. Wir, als Konsumenten, sind uns zwar der Schattenseite bewusst, jedoch sind sie dem einzelnen zu fern. Zwar hat man die Fakten schwarz auf weiß, jedoch was ist schon ein kurzer Text über diese Ausbeutung irgendwo in den dritte Welt Ländern, wenn doch direkt nebenan das neue super süße Kleid für nur 10€ danebenliegt, oh was für ein Schnäppchen.

    Man muss den Leuten nicht nur bewusst machen, dass es andere gibt, die die Kleidung unter schlechten Konditionen herstellen, sondern, dass wir eine Gemeinschaft sind in der alle mit allen zu tun haben.

  4. uschili sagt:

    Für mich gilt als Hauptursache ein falsches Vorgehen. Die Tatsache, dass die meisten der von uns gekauften Textilien unter schlechten Arbeitsbedingungen hergestellt wird, dringt zunehmend zu uns durch und immer häufiger wird darüber diskutiert. Allerdings werden meist nur die Probleme aufgezeigt, nicht aber, wie wir als Käufer stattdessen handeln sollten. Die von dir angesprochene Marke Manomama war für mich beispielsweise komplett unbekannt, obwohl sie recht stylische Kleidung in ihrem Sortiment aufweist. Natürlich kann man sich im Internet ausführlich informieren, jedoch quälen sich die wenigsten durch die Weiten des Internets um nach stundenlangem Suchen ein Ergebnis zu finden. Ist einmal ein Anfang gemacht, so bin ich mir sicher, dass sich immer mehr Firmen mit fairen Arbeitsbedingungen finden werden und nach und nach der Preis sinken wird. So lange jedoch nicht darauf hingewiesen wird, dass es andere faire Unternehmen gibt, wird sich vermutlich nicht besonders viel ändern.
    Ich persönlich kaufe mittlerweile viel lieber auf Kleiderkreisel, einer Internetplattform, die im Prinzip wie ein Flohmarkt funktioniert. So kann ich 1.Geld verdienen, in dem ich meine alten Klamotten verkaufe, 2.neue alte Klamotten kaufen und kaufe so zwar trotzdem meist zu unfairen Arbeitsbedingungen, jedoch „recycle“ ich im Prinzip die Klamotten nur, anstatt die Nachfrage weiter in die Höhe zu treiben.

  5. St. Sanktus sagt:

    Nach erstem googeln schon habe ich festgestellt, dass diese fairtrade-Klamotten ja gar nicht (mehr) alle hässlich sind.
    Die Ästhetik-Ausrede funktioniert in diesem Fall wohl nicht mehr – es geht auch nicht zwangsweise um erhöhte Kosten, sondern vielmehr um Aufwand. Denke ich an mich selbst als Fallbeispiel, ich wüsste nicht, wo ich außerhalb des Netztes Fairtrade & Ökoklamotten kaufen soll ohne viel Zeit und Mühe in die Suche zu investieren (gerade wo shoppen doch ohnehin nicht meine Lieblingsbeschäftigung ist).
    So ist doch eigentlich der Wille das wichtigeste, auf den dann schließlich Taten folgen müssen. “ Die Politik ist raus“, ganz klar – aber welche Priorität hat eine eine faire Welt denn tatsächlich bei uns Konsumenten, konkret im Alltag? Nehmen wir was in Kauf um fair zu kaufen oder verkaufen wir uns hier nur gut?
    Reden können wir alle. Doch wie sieht es mit Handeln aus, Freunde?
    uschili hat schonmal vorgelegt

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