Die WM in Brasilien – Fluch oder Segen?

Veröffentlicht: 11. Juli 2014 von miniimouse in Allgemein, Gesellschaft

Zur Zeit gibt es wohl nichts auf unserer Welt, das soviel Aufsehen und Begeisterung erregt aber gleichzeitig auch so viel Kritik auslöst, das so viele Menschen vereint, um zu feiern aber auch um zu protestieren, wie die Weltmeisterschaft in Brasilien. Die letzten Wochen haben wohl die meisten sehr gespannt mit gefiebert und nun zieht Deutschland sogar ins Finale ein. Doch gerade unser Sieg gegen den Gastgeber hat mich auch einmal zum Nachdenken angeregt. Ich habe mich natürlich riesig gefreut, dass wir noch eine Runde weiter sind, trotzdem musste ich die ganze Zeit an die Brasilianer denken, welche weinend im Fernsehen gezeigt wurden. Sie taten mir leid. Sicher trauert jedes Land, wenn ihrer Mannschaft bei der WM ausscheidet. Doch bei den Brasilianern fühlte sich das anders an. Es sah so aus, als würde es sie härter treffen, die Trauer tiefer sitzen. Ich hatte schon vorher von den vielen Diskussionen gehört, die sich darum drehten ob es richtig sei eine WM in einem Land wie Brasilien, wo die Gegensätze größer nicht sein könnten, statt finden zu lassen. Das war aber das erste Mal, dass ich auch wirklich über diesen Streitpunkt nach dachte. Natürlich bringt die WM positives wie auch negatives, aber was wiegt letztendlich schwerer?

Auf der einen Seite steht die Liebe zum Fußball. Fußball gehört zu Brasilien wie der Deckel zum Topf. Fußball schafft Hoffnung, in einem Land, in dem Hoffnung das einzige ist, das vielen Menschen bleibt. Wo sollte eine Fußballweltmeisterschaft also besser hin passen, als in ein Land, indem Fußball eine so unglaublich große Bedeutung für die Menschen hat.

Jedoch kann man sich wohl fragen, für wen die Weltmeisterschaft in Brasilien überhaupt statt findet. Wenn man sich das ganze Specktakel ein mal genauer anschaut, beginnt man schnell daran zu zweifeln, dass diese Meisterschaft, eine Meisterschaft für das gesamte Brasilianische Volk darstellt. Viel eher findet diese nur im industriellen, entwickelten Brasilien der Reichen und der Touristen statt. Der Rest der Bevölkerung, der in der Armut beinahe ertrinkt, die Menschen, für die Fußball einfach alles bedeutet, da sie mehr nicht haben, all die, denen die WM neue Hoffnung schenken sollte, diese Menschen werden außen vor gelassen. Was bringen ihnen die teuren Stadien, wenn sie nicht hinein gelassen werden? Was bringen ihnen all die Investitionen, die Neubauten und Restaurierungen von Hotels, wenn sie selbst keinen sicheren Ort zum schlafen haben? All das Geld, das für Touristen aus aller Welt ausgegeben wurde, obwohl es die eigene Bevölkerung mehr als nur dringend braucht. All das stellt vielleicht für eine kleine Oberschicht eine positive Veränderung dar, aber den Menschen, die nur noch ihrer Hoffnungen und den Fußball haben, zeigt es nur um so mehr, wie sehr sie nicht dazu gehören. Ihnen schenkt diese Weltmeisterschaft keine Hoffnung. Erst recht nicht mehr nachdem ihr Team, das einzige an das sie noch glauben konnten, ihnen kein kleines Wunder beschert hat. Aber vielleicht, können sie noch ein letztes bisschen Hoffnung in die Menschen stecken, die protestieren an statt zu feiern, die hinterfragen und nachdenken. Deshalb hoffe ich hiermit ein paar Menschen zum nachdenken anzuregen, um den Brasilianern wenigstens ein Stück ihrer Hoffnung wieder zugeben, sodass am Ende vielleicht sogar das erreicht werden kann, was die Weltmeisterschaft nicht geschafft hat.

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Kommentare
  1. schlumpfiinchen sagt:

    Ich stimme dir zu, jedoch wird eine solche Meinung durch unsere Medien geprägt, welche nur das zeigen, was wir sehen sollen. Man soll sehen wie schlecht es den Menschen „durch die WM“ geht. Dabei wird außen vor gelassen wie groß trotzdem die Freude bei jedem Brasilianer ist.

    Die Ausgaben für die WM betragen lediglich 1% der gesamten Staatsausgaben. Klar gibt es Demonstrationen über die falsche Benutzung des Geldes. Aber wenn man dieses Geld nicht für die Stadien usw. ausgeben würde, dann würde man diese 1% eben für etwas anderes ausgeben, und das auf jeden Fall nicht für die Armen. Somit wird den Armen so oder so nicht geholfen. Die Unterschicht wird sowieso, schon seit es Menschen gibt, vernachlässigt. Den Armen geht es dort schon immer schlecht und jetzt wo die Weltmeisterschaft statt findet, wird plötzlich darüber gesprochen. Letztendlich wird sowieso nichts getan, denn Worte verändern nun einmal nichts. Worte verändern erst dann etwas, wenn darauf auch Taten folgen und diese bleiben hierbei aus. Denn in unserer Welt dreht sich alles nur um Geld, Macht und Reichtum, überall. Das liegt an dem sehr stark ausgeprägten Egoismus, der hier herrscht. Man denkt nur an sich selbst und an das was einem weiter hilft. Denn was bringt es einem selbst wenn man jemand fremdes hilft -nichts. Die Barmherzigkeit und die Nächstenliebe gehen völlig unter. Und das sieht man sehr gut am Beispielsland Brasilien.

    Somit ist für mich die WM in Brasilien weder als Fluch noch als Segen zu bezeichnen.

  2. dietugend sagt:

    Die Problematik, die du ansprichst ist eine sehr allgegenwärtige und wichtige, mit der sich jeder auseinandersetzen sollte, der zurzeit die WM bestaunt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass die WM in Brasilien ein Fluch ist für die Leute, die unmittelbar von ihr betroffen sind, also die Menschen, die in Brasilien leben. Meiner Meinung nach ist es falsch, eine WM in einem Land auszutragen, in dem sich die Bevölkerung vehement gegen diese wehrt. Das Volk steht nicht hinter dieser WM und das ist auch nachvollziehbar.

    Eine WM auszutragen kostet sehr viel Geld, diese WM soll das teuerste Fußball-Turnier aller Zeiten sein. Doch auf Kosten von wem? Auf Kosten des brasilianischen Volkes, auf Kosten der Steuerzahler, die ohnehin wenig Geld haben. Leidtragende dieser WM sind also die Mittelschicht und die einfachen Arbeiter, die in den Armenvierteln leben müssen. Davon gibt es in Brasilien viele: 6,5 Millionen leben unterhalb der Armutsgrenze. Es werden Fußballstadien gebaut, die nach der WM nicht mehr benötigt werden. Dieses Geld fehlt dort, wo es dringender gebraucht werden würde zum Beispiel dort, wo es um Leben und Tod geht und nicht um Sieg oder Niederlage: in Krankenhäusern. Zudem fehlen in Schulen Lehrer, es gibt schlechte Infrastruktur mit verstopften Straßen und ständigen Staus und ein starker Preisanstieg hat die Gemüter der Brasilianer in den letzten Monaten erhitzt. Dabei stellt sich die Frage, ob das Geld, das für die WM ausgegeben wurde, auch wirklich für Infrastruktur oder Krankenhäuser ausgegeben werden würde. Das kann man nur spekulieren. Für mich ist es vor allem nicht nachvollziehbar, wie eine WM in einem Land ausgetragen werden kann, indem das Volk diese nicht unterstützen will und kann. Gegen die Demonstranten, die aus völlig nachvollziehbaren Gründen protestieren, wird sogar hart vorgegangen mit Polizeigewalt.

    Das Austragen der WM ist aber natürlich nicht das Hauptproblem der Brasilianer, es geht um viel mehr. Fast täglich gibt es Unruhen in Brasilien, es geht um Korruption, Polizeigewalt und Kriminalität, es geht um die Unterdrückung der Armen. Das einzig Gute, das die WM dem brasilianischen Volk bringt, ist wie miniimouse in ihrem Beitrag angesprochen hat, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Die Weltpresse hat den Fokus der WM auch auf die sozialen Probleme in Brasilien gelenkt.

    Wir sollten immer im Hinterkopf behalten, wie schlecht es vielen Brasilianern geht und dieses Thema nach der WM nicht einfach abhaken.

  3. fredlchen sagt:

    Ich würde die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien weder als Segen noch als Fluch bezeichnen, da es eben positive wie auch negative Aspekte gibt.

    Dennoch scheint es so, als gäbe es mehr negative Aspekte wie die Armen, die dank der Umbauten der Stadien aufgrund der Sicherheitsauflagen der FIFA nicht mehr bei den Spielen im Stadion zusehen können, da sie sich das einfach nicht leisten können.

    Jedoch zahlt die FIFA keinerlei Steuern an das Land Brasilien, spart dadurch Kosten und das Land Brasilien darf für die Auflagen der FIFA auch noch zahlen. Die einzige Einnahmequelle ist der starke Tourismus in dieser Zeit.

    Auf der anderen Seite steht der Spaß, die Freude, die Freizeit, die die Weltmeisterschaft mit sich bringt. Aber auch hier ist es wieder das Problem ob es okay ist dieses Bedürfnis auf Kosten anderer, die nicht mal ihre Grundbedürfnisse gedeckt haben, zu leben.

    Wenn man die ganzen negativen Eigenschaften sieht, sollte man die WM gar nicht verfolgen und aus Protest die Spiele nicht anschauen. Aber das scheint nur ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein wenn man bedenkt, was eine Person, die die WM nicht verfolgt, im Gegensatz zu 32,57 Millionen anderen Deutschen, die das Spiel zwischen Brasilien und Deutschland im Fernsehen verfolgt haben?

    Ganz anders sähe es dagegen aus, wenn die deutsche Nationalmannschaft nicht an einer WM in einem Land mit so großen sozialen Problemen teilnehmen würde. Aber kann sie sich das überhaupt leisten? Deutschland als eine Fußballnation nimmt aus Protest nicht an der WM teil?

    Trotzdem war es bei der Olympiade 2008 in China dasselbe, wie auch bei der WM 2010 in Südafrika und wie es auch bei den folgenden WMs in Katar und Russland sein wird. Die negativen Aspekte werden einfach mit der Freude, die so ein Ereignis bereitet, übertüncht. Und die wenigen Proteste, die es gibt verstummen leider nach kurzer Zeit wieder und treten in den Medien nicht mehr auf. Traurig, dass dann alles wieder in Vergessenheit gerät.

    Aber mal eine Gegenfrage, wäre es fair eine WELTmeisterschaft nur in Industrienationen wie Deutschland oder der USA stattfinden zu lassen, weil sie es sich leisten können? Es heißt nicht umsonst WELTmeisterschaft. Ich fände es besser, wenn es wie beim Eurovision Song Contest wäre, das Gewinnerland ist Gastgeber der nächsten WM.

  4. uschili sagt:

    Ich würde die WM ebenfalls weder als Segen noch als Fluch bezeichnen, sondern als trauriges Resultat der Entwicklung unserer heutigen Welt. Die Reicher werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Ist dann noch Korruption im Spiel hat man fast keine Chance mehr gegen das Handeln der Mächtigen etwas zu tun. Nicht umsonst wird die FIFA als MAFI(F)A bezeichnet. Mehr Kontrollen von außen und mehr Transparenz sowie beschränkte Amtszeiten sind für mich die einzigen Lösungsansätze. Denn, wie bereits gesagt worden ist, in Nationen wie Brasilien und vielen weiteren südlicheren Ländern ist Fußball DIE Hoffnung um ein besseres Leben zu erlangen und ich denke nicht, dass jemand auf Fußball schauen verzichten würde um zu protestieren. Auch in den Nordländern spielt Fußball eine wichtigere Rolle (siehe USA) und der Trend zum Fußball steigt weiterhin. Eine weitere Möglichkeit wäre mehr Aufklärung von Organisationen die in großen Scharen protestieren, vor Ort sowie auf der ganzen Welt. Sobald ein Mediensender ausführlich darüber berichtet kann ein großer Schritt gemacht worden sein und alle sehen nicht nur das was sie sehen wollen und spenden oder ähnliches.
    Um noch einmal zur Ausgansfrage zurückzukehren: Wäre Brasilien Weltmeister, würden alle Brasilianer die WM als Segen bezeichnen, vermutlich hat sogar das Erreichen des Halbfinales gereicht um sie als Segen zu bezeichnen. Dies zeigt, dass es bei den Brasilianern oft weniger um Geld sondern um Tradition, Leidenschaft und Emotionen geht und wie sehr sich unsere Meinung, die WM sei so negativ, von anderen unterscheiden kann.

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