Ist Atomenergie ethisch vertretbar?

Veröffentlicht: 25. Dezember 2014 von dietugend in Allgemein

Die Nutzung der Atomenergie liefert günstigen Strom, ein Super-GAU ist so wahrscheinlich wie ein Sechser im Lotto. In Deutschland und anderen Ländern mit hoch entwickelten Technologien sind Kernkraftwerke sehr sicher. Dennoch – ein Restrisiko bleibt.
Natürlich setzt sich der Mensch jeden Tag Risiken aus. Aber es gibt vermeidbare Risiken. Das Risiko, das durch die Betreibung von Kernkraftwerken ausgeht, ist meiner Meinung nach eines, das man verhindern könnte. Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass in Deutschland ein Kernkraftwerk explodiert und hohe Mengen an radioaktiver Strahlung austreten, aber hundertprozentig sicher ist es nicht. Warum sollte man Risiken eingehen, die man einfach verhindern könnte?
Wenn ein Atomkraftwerk „hochgeht“ oder plötzlich erhöhte radioaktive Strahlung austritt- warum auch immer- dann ist eine große Menschenmasse betroffen und Regionen werden in Todeszonen oder No-Go- Areas verwandelt. Es ist unverantwortlich einfach über die Köpfe beteiligter Menschen hinweg zu entscheiden.
Und das Problem der Entsorgung des Atommülls bleibt. Ich kann nicht verstehen, wie man beschließen konnte, Atomenergie zu nutzen ohne zu wissen, wie man mit dem entstehenden Atommüll umgehen soll. Es gibt keinen sicheren Ort für diesen Müll. Wir sollten auch an die nachfolgenden Generationen denken und ihnen eine „gesunde“ Erde  hinterlassen.
Meine Meinung wird zum Beispiel auch von dem Philosophen Robert Spaemann unterstützt, der sich sich seit über 50 Jahren strikt gegen Kernenergie ausspricht (vgl. https://www.econitor.de/magazin/wohnen/robert-spaemann-nach-uns-die-kernschmelze_12462.html).
Folglich ist Atomenergie nicht ethisch vertretbar, auch wenn sie viele Vorteile mit sich bringt. Der Mensch sollte nicht versuchen Dinge zu beherrschen, die unkontrollierbar sind. – Was meint ihr dazu?

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Kommentare
  1. avocadobrei sagt:

    Klar ist man durch die Nutzung von Atomenergie, einem vermeidbaren Risiko ausgesetzt. Aber ich würde mal sagen, dass das Leben tödlich ist. Und im Leben gibt es nicht nur Risiken, die man nicht vermeiden könnte. Wenn man hinterm Steuer seines Autos telefoniert mit dem Handy am Ohr und das bei hoher Verkehrsdichte setzt man sich und sein Umfeld schließlich auch einem hohen und vermeidbarem Risiko aus. Atomkraftgegner sehen aber dann wiederum auf der anderen Seite eine Gefahr in allen möglichen Alternativen oder sie beklagen sich einfach nur ohne daran zu denken, dass man schließlich irgendwo den Strom her kriegen muss. Was die Nachhaltigkeit betrifft, finde ich hätte man sich schon vor 50 Jahren überlegen sollen, was für Folgen das Ganze nach sich zieht. Jetzt ist es eh schon zu spät. Und wenn man wirklich was für die Umwelt tun will, da sollte man sich schließlich immer an die eigene Nase fassen und anfangen sich energiesparender zu verhalten!

  2. fredlchen sagt:

    Ja ich denke auch, dass dieses Risiko vermeidbar gewesen wäre. Aber wir leben ja in einem Zeitalter in dem die erneuerbaren Energien hoch angepriesen werden. Jedoch haben auch diese ihre Schattenseiten und sind nicht ohne Risiken. Aber man muss sich eben bewusst machen, wo man bereit ist Kompromisse einzugehen und wo nicht, denn in unserer Gesellschaft läuft heute nichts mehr ohne Strom und wenn mit der Zeit Elektroautos immer häufiger werden steigt der Stromverbrauch noch mehr. Und irgendwo muss der Strom auch herkommen.

    Auch gibt es heute schon Stromanbieter, die „grünen“ Strom verkaufen aber viele Menschen kaufen oft trotzdem den billigeren „gelben“ Strom und damit schließe ich mich avocadobrei an, dass sich jeder an die eigene Nase fassen und bei sich selbst anfangen sollte. Denn große Veränderungen beginnen bekanntlich immer im Kleinen.

    Meiner Meinung nach gilt es sowieso erst einmal zu schauen, wo man überall Strom einsparen kann bevor man nach einer Lösung über das Produktionsproblem sucht.

    Was es auch noch zu bedenken gibt, ist dass wenn man in Deutschland alle Atomkraftwerke auf einmal abschaltet, werden in anderen Ländern mehr Atomkraftwerke gebaut und dieser Strom wird dann zu uns transportiert werden. In diesen Ländern kann es viel gefährlicher sein, da dort Naturkatastrohen gang und gäbe und die Sicherheitsvorschriften vielleicht nicht so hoch wie in Deutschland sind. Eine Katastrophe betrifft wie man an Beispielen von Fukushima und Tschernobyl sieht schließlich nicht nur das eine Land sondern die ganze Welt. Könnten wir dann nicht mit ein paar Atomkraftwerken in Deutschland leben? Und sinkt dadurch nicht auch in gewisser Weise das Risiko?

    Das Zitat von Hans-Olaf Henkel „Wer jedes Risiko ausschalten will, der zerstört auch alle Chancen“ trifft es meiner Meinung ziemlich genau, da wir ohne Atomkraftwerke gar nicht die Möglichkeit auf viele technische Errungenschaften gehabt hätten, da diese alle Strom benötigen und die Menge, die wir heutzutage Benötigen nicht von einer Dampfmaschine produziert werden könnte. So besteht das ganze Leben aus Risiken, die aber auch zu Erfolgen führen.

  3. dietugend sagt:

    Natürlich gibt es im Leben nicht nur Risiken, die man nicht vermeiden kann. Naturereignisse kann man zum Beispiel nicht beeinflussen. Man kann nicht unbedingt verhindern, dass ein anderer am Steuer mit dem Handy telefoniert, dies ist eine individuelle Entscheidung. Während des Autofahrens zu telefonieren ist sehr gefährlich und wie du bereits erkannt hast, avocadobrei, setzt der Telefonierende sich und sein Umfeld einem vermeidbaren Risiko aus. Daher steht diese Handlung auch unter Strafe.

    Zudem denke ich nicht, dass man die Gefahren, die bei der Nutzung von Atomenergie entstehen mit den Gefahren, die durch Telefonieren am Steuer entstehen, gleichsetzen oder diese vergleichen kann. Durch einen GAU werden große Areale verseucht und sehr viele Menschen sterben oder nehmen Schaden. Wenn ich am Steuer telefoniere und dann einen Unfall mache, sind davon niemals so viele Menschen betroffen und der Unfall wird auch nicht dafür sorgen, dass eine Region für die nächsten Generationen unbewohnbar ist.
    Die Ausmaße eines Unfalls sind viel geringer, wobei ich das Telefonieren am Steuer damit nicht verharmlosen möchte.

    Nur weil man gegen Atomkraft ist, heißt das noch lange nicht, dass man gegen alle anderen Alternativen ist. Natürlich muss man auch die Nachteile der Alternativen sehen und das Für und Wider abwägen.
    Und auch der Gedanke: „jetzt ist es eh schon zu spät“ ist für mich nicht nachvollziehbar, warum sollte es jetzt zu spät sein? Es ist nicht zu spät, etwas zu verändern, dafür ist es nie zu spät. Natürlich ist der Atommüll schon produziert, die Atomkraftwerke stehen und sind in Benutzung, aber wenn man nichts verändert, dann wird immer mehr Müll produziert, bei dem man nicht weiß, wo er entsorgt werden soll und das Risiko, dass ein Atomkraftwerk in die Luft geht, bleibt.

    Das Problem der Atomenergie ist nicht nur eines, das die Umwelt betrifft, es betrifft uns alle! Natürlich sollte man auch Energie sparen: der Umwelt, aber auch sich selbst und den nachfolgenden Generationen zu liebe.

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