Schulnoten – ungerecht und überholt oder sinnvoll?

Veröffentlicht: 5. Januar 2015 von avocadobrei in Allgemein

Bald sind auch schon wieder die Weihnachtsferien vorbei und der Schulstress holt einen ein. Viele Arbeiten werden noch geschrieben und viele werden wieder ausgegeben. Schnell ist es passiert – man hat eine schlechte Note.

Die meisten Schüler regen sich wahrscheinlich auf, vor allem wenn es um die mündlichen Noten geht. Sie seien ungerecht und subjektiv. Was ich auch teilweise bestätigen kann. Aber so sehr ich es verabscheue eine schlechte Note zu bekommen, finde ich trotzdem nicht, dass man sie in unserem Schulsystem abschaffen sollte. Des Weiteren wird häufig diskutiert, dass man auch das Sitzenbleiben abschaffen wolle, um das Schulleben eines Kindes nicht unnötig zu erschweren.

Viele Pädagogen meinen, dass Schulnoten nicht den Leistungen eines Schülers entspreche und man diese zusätzlich noch durch schummeln zu seinen Gunsten beeinflussen kann. Außerdem gäbe es dadurch den Zwang zu lernen. Lernen würde nicht mehr auf freiwilliger Basis beruhen. Aber mal ehrlich, ohne den Stress und den Druck, würde doch kaum einer von uns lernen. Manchmal braucht man eben etwas Druck oder auch den Ansporn mal wieder eine bessere Note als der Nachbar zu schreiben, um wirklich den Hintern hoch zu kriegen, sich hinzusetzen und zu büffeln. Was das Sitzenbleiben betrifft, bin ich auch gegen dessen Abschaffung, da das Wiederholen einer Klasse einen Schüler ja nicht für ein Fehler bestrafen soll oder die schlechten Schüler aussortiert, sondern eine zweite Chance bietet, die einem sicher nicht unbedingt schadet. Meiner Meinung nach, ist auch eine schlechte Note keine Bestrafung, da sie einem auch nur zeigt, wie gut man gelernt hat – gut manchmal spiegeln sie nicht genau die Leistung wieder, aber ungefähr zeigt sie schon wie sehr wir uns angestrengt haben. Und denen, die sehr gerne und sehr oft abschreiben sei gesagt, dass ihnen das im späteren Leben auch nicht weiterhilft – im Gegenteil! Diese Menschen haben später oft kein Vertrauen in sich selbst, da sie das meiste nur mit fremder Hilfe geschafft haben – also ist das wirklich eine „gute Note“? Die, die dagegen auf ihr Können und aufs Lernen vertraut haben, können auch viel besser stolz auf die gleiche Note sein als ein permanenter Schummler. Es ist ja auch nicht so, dass jede Note über die Zukunft entscheidet. Bis zur Oberstufe ist es ja ohnehin nicht ganz so schlimm, wenn man mal die ein oder andere Arbeit verhaut.

Deutschland ist ja laut der PISA-Studie nicht unbedingt vorne auf, was die Leistungen der Schüler angeht, aber hier in Deutschland wehren sich die meisten Pädagogen dagegen, dass man den Leistungsdrill der führenden Länder wie bspw. China zum Vorbild nimmt. Finnland hingegen zeigt, dass es auch ohne geht, dafür aber mit Noten. Dort wird das Ganze durch Rundum-Betreuung positiv umgesetzt.

Ich denke, Noten sind wichtig für das spätere Leben – wenn auch nicht ganz fair (aber was ist schon gerecht im Leben?) -sowie auch in der Schulzeit. Es bereitet uns Schüler auf den Leistungsdruck der heutigen Gesellschaft vor mit deren wettbewerbsorientierten Wirtschaft. Es ist pädagogisch wertvoll den Schülern auch zu zeigen, dass einem nicht immer alles in den Schoß fällt und dass eine gewisse Anstrengung nötig ist. Außerdem ist es doch auch ein schönes Gefühl, wenn man fleißig gelernt hat und eine gute Note bekommt, auch wenn Noten natürlich nicht alles sind im Leben! Und was wäre Schule eigentlich ohne Noten? Das wäre doch nicht mehr Schule oder?

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Kommentare
  1. schlumpfiinchen sagt:

    Oft heißt es, dass Schüler zu sehr unter Druck gesetzt werden, was anscheinend an der Benotung liegen soll. Es gibt schon einige Privatschulen, die es vorziehen erst in den höheren Stufen zu benoten, wodurch den Schülern das Lernen erleichtert werden soll und ihnen einige Last abgenommen werden soll. Nun stellt sich die Frage, ob dies tatsächlich hilft bzw. ob Noten wirklich schlecht sind?
    Ich bin ähnlicher Meinung wie du, denn Noten sind zwar nicht immer schön, aber am Ende zeigen sie eben doch mehr oder weniger die Leistung die ein Schüler erbracht hat. Noten können also zum einen die Leistungen belohnen und zum anderen dazu aufrufen, dass der Lernaufwand eventuell nicht ganz gereicht hat und somit verbesserungwürdig ist. Keiner hat damit die Absicht Schülerinnen und Schüler unter Druck zu setzten, sondern die Leistung wiederzuspiegeln und wie du auch schon sagtest auf die spätere Zukunft vorzubereiten, denn im späteren Leben wird es auch Situationen geben, in denen man eben unter Leistungsdruck steht. Deshalb ist es von Vorteil, dass schon früh gezeigt wird, dass man für Belohnung etc. etwas leisten und dafür arbeiten muss.
    Ich denke allerdings auch, dass es Kinder gibt, die im frühen Alter noch nicht mit einer solch „harten“ Bewertung und Kritik zurechtkommen. Oft werden Kinder mit schlechteren Noten als dumm abgestempelt und in eine andere Schublade gesteckt. Natürlich werden einem durch die Noten eigentlich das Umgehen mit Kritik gelehrt, doch für solche Kinder sollte es vielleicht einen Kompromiss geben, der sie nicht vom Kindergarten Hals über Kopf in die Schule steckt, in der sie plötzlich bewertet werden, sondern sie langsam daran gewöhnt.

  2. St. Sanktus sagt:

    Neulich erst habe ich vom Pygmalion-Effekt, das Resultat eines Experiments des Psychologen Robert Rosenthal gehört. Um es kurz zu machen:
    Ein Schüler, bei dem von einer Hochbegabung bzw. Minderbegabung ausgegangen wird, wird von Lehrern entsprechend behandelt. Die Folge ist eine positive Entwicklung, das bedeutet der Schüler passt sich in die ihm zugewiesene Rolle zu. Wie schädlich können hier schlechte Bewertungen wirken?
    Klar bedeutet es, gute Note zu bekommen sicher nicht eine Leistungsverbesserung (Eigentlich ist die ganze Nummer ja umgekehrt gedacht), ich finde das Problem liegt vielmehr darin, dass Noten zu eindimensional Auskunft geben – oft wird dem Schüler durch eine krakelige Notiz am Ende seiner Klausur oder neben seiner Mündlichen mitgeteilt, wie er sich verbessern kann oder so seine Schwächen liegen. Darüber eine dicke, schwarze FÜNF. Und die sitzt.
    Ein Lehrer sagte mir oft, dass er lieber auf die Anstrengung und den Willen eines Schülers sieht als auf seine absolute Leistung – meiner Meinung nach ein gutes Konzept. Kein ‚auf-Lorbeeren-ausruhen‘ ist so möglich. Auf der anderen Seite wird nach diesem Konzept keiner von ständigen Rückschlägen deprimiert, obwohl er sich angestrengt hat.
    Avocadobrei, ich weiß nicht, ob du hochbegabt bist, dich so einschätzt oder dich in der Schule anstrengst – aber deine ‚Friss-oder-stirb-Theorie‘ hat meiner Meinung nach bei den demotivierten, deutschen Schülern wenig Zukunft.

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