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Anregung zum Philosophieren: Schlafwandler?

Veröffentlicht: 10. April 2014 von FrauSchuetze in Anthropologie, Film, philosophieren

 

Hannah

eigenes Foto, CC-by-SA

Im Nachgang zu unserer Diskussion über Eichmann las ich ein Buch über Hannah Arendt. Sie schreibt u.a. sehr direkt:

„Ein Leben ohne Denken ist durchaus möglich; es entwickelt dann sein eigenes Wesen nicht – es ist nicht nur sinnlos, es ist gar nicht recht lebendig. Menschen, die nicht denken, sind wie Schlafwandler.“ (Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes. Das Denken. Das Wollen. München 1998, S. 189f.)

Was meint ihr: ist ein Leben ohne Denken sinnlos? Kann jemand wie Eichmann als nicht-denkender Schlafwandler schuldig sein?

 

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Gymnasium Gerabronn; Ethik Grundkurs K1; alle (12) anwesend
Themen/Gliederung: 1) Erinnerung an Kant, 2) Freiheit und Sittlichkeit, 3) Das Floß; 12.03.2014
Protokollant: uschili

1) Erinnerung an Kant

Zunächst haben wir in Gruppen die Herleitung des kategorischen Imperativs aus der Freiheit bearbeitet. Dafür sollten wir verschieden Stichpunkte logisch sortieren. Hier ist eine von vielen Lösungen aufgezeigt.IMG_0839[1] IMG_0840[1] IMG_0841[1]
Zum Abschluss des Themas „Kant“ befassten wir uns mit Seite 11/12 und definierten technische und pragmatische Imperative, sowie Maximen (siehe Übersicht im Ethik Protokoll).

2) Freiheit und Sittlichkeit

Wir haben die Goldene Regel mit dem Kategorischen Imperativ verglichen (S.13).
Zu den Gemeinsamkeiten gehören der Handlungsleitsatz als Richtlinie, der Perspektivwechsel sowie die Verallgemeinerung, so dass es jeweils für alle Menschen gültig ist.
Jedoch ist bei den Unterschieden zu beachten, dass sich die Goldene Regel auf die Handlung und deren Folgen bezieht, während der Kategorische Imperativ stets die Motive betrachtet. Während die Goldene Regel das Handeln aus Selbstzweck und somit den hypothetischen Imperativ hervorruft, handelt man beim Kategorischen Imperativ aus Vernunft (kategorischer Imperativ).

3) Das Floß

Der Kurzfilm „Das Floß“ handelt von zwei abgemagerten Schiffsbrüchigen, die auf einem Floß auf dem offenen Meer treiben. Die zwei vor Hunger fast sterbenden Männer kämpfen um einen gefangenen Fisch. Einer der beiden fällt ins Wasser, ihm nähert sich ein Hai. Der Fisch landet auf dem Floß. Als sich eine Möwe dem Fisch nähert, muss der andere sich entscheiden, ob er dem einen aus dem Wasser hilft oder sich auf den Fisch konzentriert. An dieser Stelle stoppten wir den Film und überlegten uns Beweggründe wie Egoismus, schlechtes Gewissen, etc. Diese ordneten wir der deontologischen (deon=Pflicht; auch Gesinnung) bzw. der teleologischen (telos=Ziel/Wirkung) Ethik zu (siehe Tabelle im Ethik Protokoll).
Unsere Vermutung, er würde zu dem Fisch rennen, obgleich die Argumente sich für seinen möglichen Freund zu entscheiden überwogen, bestätigte sich, jedoch starb er ebenfalls.

Text zum Finale von Drei Farben: Blau

Veröffentlicht: 18. Oktober 2011 von FrauSchuetze in Film, Freiheit, Links

Hier folgt der Link zum Text beim Finale des Filmes – es ist das Hohelied der Liebe im 1. Korintherbrief.

Was ist Freiheit

Veröffentlicht: 13. Oktober 2011 von tachribri in Film, Freiheit

(Inspiriert durch den Film „Drei Farben: Blau“ und http://www.epos.uni-osnabrueck.de/music/templates/buch.php?id=25)

Bedeutet Freiheit, frei zu sein von allem, was bindet?

Diese Frage wirft sich durch den oben genannten Film auf. Wenn man etwas so Schreckliches erlebt wie die Hauptperson des Filmes, will man, wie sie, erst einmal Abstand gewinnen bzw. alle Erinnerungen an die Person, die man verloren hat, vernichten, um nicht länger gequält zu werden. Dazu müssen auch alle Beziehungen abgebrochen werden, letztlich muss man sein ganzes Leben ändern, sich eine neue Umgebung suchen, um zumindest nicht mehr bei jedem Schritt und Tritt daran denken zu müssen. Vielleicht beschließt man auch, nie wieder Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen – auch sie könnte man doch eines Tages wieder verlieren, und dieses Risiko will man nicht mehr eingehen. Die Frau aus dem Film drückt sich so aus: »Aber jetzt habe ich verstanden, dass ich nur noch eins tun werde: nichts; dass ich keinen Besitz mehr will, keine Erinnerungen, keine Liebe, keine Bindungen, keine Freunde.«

Im Laufe des Films erlebt sie aber, dass Erinnerungen wie das Seil bei einem Bungeesprung sind: Wenn man losspringt (wenn man sich befreien will), spürt man zunächst nichts mehr von dem Seil und erlebt kurzfristig das Gefühl „absoluter Freiheit“ – aber bevor man den Boden erreicht, spannt es sich und man wird von ihm zurückgehalten (die Erinnerungen holen einen irgendwann wieder ein).

Diese Rolle der Erinnerung übernimmt in dem Film die Musik ihres Mannes, die ihr ständig in den Kopf kommt – genauso, wie man sich von einem Ohrwurm nur schwer wieder trennt, sind auch Erinnerungen nur schwer loszubekommen.

Letztlich muss sie einsehen, dass sie nicht ewig davonrennen kann, und sie beginnt, sich wieder neu für ihre Umwelt und menschliche Bindungen zu öffnen, schließlich komponiert sie sogar das Stück zu Ende.

Ich denke, dass das eine sehr gute Metapher ist: Freiheit bedeutet meiner Meinung nach nicht, frei zu sein von jeglicher Bindung und sich von allem loszusagen. Man mag eine Weile lang vermeintlich frei sein, aber irgendwann kommt, wie in dem Film mit der Musik, alles wieder zurück, und man spürt, dass man doch noch immer an dem „Bungeeseil“ der Erinnerungen hängt.

„Die Flucht nach vorn“ ist es also nicht, was frei macht. Ich denke, dass nur der frei ist, der vor nichts mehr davonlaufen muss, der seinen Frieden mit der Vergangenheit und mit seiner Lebenssituation geschlossen hat.

Was denkst du darüber? Was ist Freiheit?